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    Maria R.-Alföldi, 1978

    Maria R.-Alföldi, Antike Numismatik, Mainz 1978, p. 1-2.

    Das Wort Numismatik kommt vom lateinischen "nummus" bzw. vom griechischen "nomisma". Beide meinen das gleiche, nämlich Münze. Das griechische Wort verrät übrigens etwas mehr. Es stammt vom Verb "nomizo", zu deutsch: etwas als Brauch anerkennen, im Gebrauch haben.Letztlich steckt aber nomos = der Brauch, Sitte jedoch auch gesetzt, Gebot im Wortsinn. Das lateinische "nummus" (wie auch das verwandte griechische "noummos") ist nicht mehr so vielschichtig. Hier engt sich der Sinngehalt mehr auf das Praktische ein; es bedeutet sie (gesetzlich) vereinbarte, gängige Münze, gelegentlich sogar nur eine bestimmte Sorte, freilich stets Hartgeld aus Metall-Legierungen, da die europäische Antike rund um das Mittelmeer Noten im heutigen Sinn nicht gekannt hat.

    Numismatik ist also der übliche Fachausdruck für Munzkunde, für die Wissenschaft von der Münze. Ihre erste Aufgabe ist folglich die Beschäftigung mit der Münze selbst. Man wird das Münzbild deuten, die Beschriftung (man nennt sie auch Legende) lesen, die eventuell vorkommenden Abkürzungen auflösen und erklären wollen. Man befasst sich ebenso mit der Beschaffenheit der Münze; die Zusammensetzung des Metalls, aus dem sie hergestellt wurde, will bekannt sein; auch die Herstellungstechnik - ob geschlagen oder gegossen - ist stets interessant. Man fragt zugleich nach dem Gewicht des Stücks das seinen ursprünglichen Wert mitentscheidet. Schliesslich wird man wissen müssen, ob die Münze echt ist - eine schwierige Entscheidung, obwohl nicht jede "Fälschung" sinn- und wertlos ist.

    Dies alles sind nur einige Gesichtspunkte, die man bei der Beurteilung der Münze als Einzelobjekt berücksichtigen wird. Fragt man dann noch nach Herstellungszeit und -ort, meinen viele, die eigentlichen Aufgaben der Numismatik seinen damit schon erfüllt, hat man den Gegenstand der Untersuchung in sich sauber erörtert. An dieser methodischen Frage scheiden sich bis heute die Geister.

    Wenn man allerdings bedenkt, dass die Münze nie einzeln sondern in der Serie produziert wird, dass sie, wie kaum ein anderes Produkt, die Geschicke der Menschen, die sie schufen und gebrauchen, mitbestimmt und begleitet, hat man bereits den entscheidenden Schritt von der nur beschreibenden bzw. bestimmenden Numismatik zur Auswertung und Deutung hin getan.

    Denn die Münze charakterisiert auf besondere Art die Zeit, die sie hervorgebracht hat, wenn man ihre Aussage nur richtig zu verstehen weiss. Sie gehört daher mit zu den wichtigsten historischen Quellen.

    Schon diese wenigen Hinweise genügen, um einzusehen, dass die Numismatik sehr viel weiter über die erste Bestimmung und Einordnung führen kann und auch tun muss. Die Erfassung der Münze in ihrer Funktion in der Zeit, die sie geschaffen hat ist folglich die dritte, wohl vornehmste Aufgabe der Münzkunde.

    Da ist zunächst einmal die erste und wichtigste Rolle der Münze als Zahlungsmittel. Welche Erkenntnisse aus der Deutung und aus dem Verständnis des Münzumlaufs für Geschichte und Wirtschaftsgeschichte möglich sind, sehen wir erst seit den letzten Jahrzehnten langsam klarer. Auch für die Finanzgeschichte der Antike brachten die numismatischen Forschungen in jüngster Zeit viel Neues. Die Wertung der Münzbilder für die politische bzw. die Kulturgeschichte vergangener Zeiten ist dagegen seit langem üblich gewesen.

    (...)

    Es hiesse die vielfältige Aussagemöglichkeiten gerade auch der antiken Numismatik zu ignorieren, würde man sie einer einzigen Sparte der Altertumswissenschaft unterordnen (z.B. der klassischen Archäologie, wie es unter dem alleinigen Aspekt der der ästhetisierenden Stilkritik an griechischen Münzen heute noch geschieht). Die einzelnen Spezialfächer der Altertumswissenschaften sind im eigentlichen Sinn des Wortes spezielle Quellenkunden. Das Ergebnis ihrer Anwendung, je vielfältiger je besser, ist Geschichtsschreibung schlechthin.

    So steht die Numismatik gleichberechtigt neben den anderen Zweigen der Forschnung als eine echte historische "Hilfswissenschaft", und das nicht im Sinn des Behelfsmässigen.

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