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    Karl Christ, 1967

    Karl Christ, Antike Numismatik. Einführung und Bibliographie, Darmstadt 1967, 9

    Im Gegensatz zur Münzkunde, die ihr Ziel in der Beschreibung, Bestimmung und systematischen Ordnung des Münzmaterials erblickte, hat die moderne wissenschaftliche Disziplin "Numismatik" ihren Aufgabenbereich erheblich weiter gefasst. Sie sieht in den Münzen ein "Denkmal mit Aussagen staatlicher politischer, rechtlicher religiöser, mythologischer, ästhetischer, paläographischer - überhaupt kultureller Art" (H. Gebhart), damit eine staatsrechliche, speziell kunst-, wirtschafts- und religionsgeschichtliche, aber auch allgemein historischer Quelle.

    Die Disziplin sucht Herstellungstechniken, die Organisation und die Tätigkeit der Prägestätten ebenso zu erforschen wie die Entwicklung der Münzkunst. Sie analysiert die Metalle und die Gewichte, rekonstruiert die Geldsysteme und deren Verbreitung, die innere Geschichte der Währungen wie die äussere. Veränderungen in Münzgewicht und Metallzusammensetzung dienen ihr dabei als Pegel der Währungsgeschichte, als Symptome inbesondere der Wirtschaftskrisen und Inflationen. Aus Prägerecht und Prägehoheit schliesst sie auf politische Machtverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen, aus der Interpretation, aus der Interpretation der Münzbilder und Münzlegenden gewinnt sie neue Erkenntnisse mannigfachster Art für die weiten Bereiche der politischen Verfassungs-, Religions- und Geistesgeschichte. Aus Münzfunden endlich erforscht sie die Entwicklung des Währungsumlaufs, die Chronologie von Zerstörungshorizonten, die Okkupationsdauer von Siedlungen und Befestigungen, die Zeichen innerer Wirren, Usurpationen oder Kriege. In diesem modernen Verständnis ist die Numismatik einerseits die Vorstufe der Geldgeschichte, andererseits eine Grundwissenschaft für zahlreiche, umfassendere Nachbardisziplinen, die sich heute in zunehmendem Masse bemühen, die Ergebnisse der numismatischen Forschung in ihre Synthesen einzubeziehen.

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