UniFR Logo
    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Nachzug von Frauen und Kindern

    Speidel, Schreibtafeln, Nr. 41

    Briefe an Frauen in Vindonissa

    a) Adresse eines Briefes an Secundina
    M.A. Speidel, Die römischen Schreibtafeln von Vindonissa, Brugg 1996, Nr. 41 :

    Auf einer Aussentafel, tief eingeritzt. Innenseite nicht mehr lesbar.
    Da Secundi|{i}nai
    "Gib (diesen Brief) Secundina"

    b) Adresse des Briefes an Belica
    M.A. Speidel, Die römischen Schreibtafeln von Vindonissa, Brugg 1996, Nr. 44 :

    Auf einer Aussentafel, Innenseite unlesbar.
    Dabis Belic(a)e | contra balneu(m)
    "Gib (Du wirst geben) (diesen Brief) Belica, gegenüber dem Bad"

    Erläuterungen :
    a) Secundina ist ein geläufiges lateinisches Cognomen (Zuname). Der Schreiber setzte irrtümlich zweimal den Buchstaben -i-, der somit einmal getilgt werden muss, was mit den Klammern { } bezeichnet wird. Möglicherweise verwendete der Schreiber weiter den Dativ auf -ai statt auf -ae, was in der Zeit des Claudius (41–54) die normale Orthographie war. Ungewöhnlich ist drittens, dass hier der Imperativ (da !) verwendet wird, während sonst das Verb im Futur steht (dabis). Es ist unbekannt, wer Secundina war (Frau oder Tochter eines höheren Offiziers nach der Vermutung von M.A. Speidel).
    b) Dieser Text ist schon länger bekannt. Auffallend sind die Formen der Umgangssprache, nämlich Belice statt Belicae und balneu(m) statt balneum. Belica oder Bellica ist ein häufiger keltischer Frauenname. M. A. Speidel konnte die Adresse contra balneu(m) genau aufschlüsseln : es handelt sich um das Gebäude gegenüber dem Haupteingang der Lagerthermen, in welchem heute tabernae vermutet werden, offenbar Aufenthaltsräume von Soldaten, da man dort Spielsteine und Würfel gefunden hat; auch Belica hielt sich dort auf.
Antiquit@s est un projet du Campus Virtuel Suisse - Contact : sandrine.codourey(at)unifr.ch & Centre NTE - Université de Fribourg - Suisse