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    Pseudo-Hyginus, Lagerbefestigungen, 48–53

    Die Lagerbefestigung

    Pseudo-Hyginus beschreibt im weiteren auch die Lagerbefestigung eines Sommerlagers, d.h. eines Marschlagers, das bald wieder abgebrochen wurde. Wall und Graben der festen Lager sind ähnlich, jedoch stärker gebaut worden.

    Pseudo-Hyginus, Lagerbefestigungen, 48–53 :
    (48) "Jetzt wollen wir die Lagerbefestigung und das übrige, was die Autoren ausführlicher beschrieben haben, in Kürze darlegen. Bei der Befestigung der Sommerlager (Marschlager) unterscheidet man 5 Gattungen. Durch einen Graben, durch einen Wall, durch sog. "Cervoli", durch Waffen, durch einen Damm.
    (49) Wenn sich das Lager in sicherer Lage befindet, so wird der Graben nur wegen der militärischen Disziplin angelegt. Die Arten desselben sind der sog. "giebelförmige" Graben und der sog. "punische" Graben. "Giebelförmig" wird jener Graben genannt, welcher oben am breitesten ist und dessen schräge Wände sich verengen und am Boden zusammenlaufen. "Punisch" heisst der Graben, dessen äussere Wand senkrecht steht. Die gegenüberliegende ist schräg wie beim giebelförmigen Graben. Diesem muss man mindestens 5 Fuss Breite geben, eine Höhe von 3 Fuss. Wenn man nach aussen 60 Fuss zurückgeschritten ist, wird man in der Breite der Tore in gleicher Weise einen Graben anlegen, welcher wegen der Kürze "Titel" genannt worden ist.
    (50) An einem gefährdeteren Orte muss der Wall aus Rasen oder Stein, Fels oder Bruchsteinen angelegt werden. Es genügt eine Breite von 8 Fuss und eine Höhe von 6 Fuss und eine kleine Brustwehr. In gleicher Weise errichtet man einen Wall vor den Toren längs des "Titels" wie bei den anderen Gräben. Damit die Soldaten die Bedeutung des Walles verstehen, wird er "heilig" genannt.
    (51) "Cervoli" sind astreiche Baumstämme. Zu diesen nimmt man seine Zuflucht, wenn in Folge der Bodenbeschaffenheit der Rasenziegel, da er zu dünn ist, zerbröckelt oder aus aufgelesenen Steinen nur ein allzu grosser Wall errichtet werden kann, noch auch ein Graben angelegt werden kann, ohne dass die Ränder einstürzen.
    (52) Wenn die "Cervoli" fehlen und die Örtlichkeit gefährdeter ist, so besteht die Befestigung des Lagers aus vier Reihen von Bewaffneten und die Posten werden dichter in den einzelnen Reihen gelegt. Und die Reiter müssen abwechselnd das Lager umreiten. Wenn man sich im Land befindet, so genügt zur Aufrechterhaltung der Disziplin eine Reihe von Bewaffneten und die Posten werden weniger dicht angesetzt.
    (53) Wenn die Örtlichkeit felsig oder sandig sein sollte, so werden anstelle eines Walles blosse Erdhaufen (Dämme) errichtet, weil nur schon durch die Anlage eines Dammes das Lager eine Befestigung erhält."

    Erläuterungen : Der Autor beschreibt anschaulich das Aussehen der sog. Cervoli. Sie entsprechen unseren modernen Stacheldraht-Barrikaden, in der frühen Neuzeit den "spanischen Reitern". "Titel" heisst der Graben, weil er im Verhältnis zur Breite sehr kurz ist (wie ein Titel im Verhältnis zum darunterstehenden Text); der Ausdruck entstammt offensichtlich dem Slang der Armeesprache. Warum ist ein Wall "heilig" (heute würde man sagen "tabu") ? Die ganze Linie des Walles gilt als heilig, weil der Soldat das Lager unter keinen Umständen ohne Befehl verlassen darf. Das Desertieren, aber auch nur schon das Nichtbeachten der Vorschriften wird ganz streng bestraft : Unerlaubtes Sich-Entfernen aus dem Lager – eben Übersteigen des Walles – mit dem Tode.
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