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    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Krieg > Feldschlachten und Stadteroberungen

    Cassius Dio, 49, 30, 1–4

    Die "Schildkröte"

    Cassius Dio, 49, 30, 1–4
    "Die erwähnte "Schildkröte" sieht etwa so aus und wird auf folgende Weise gebildet: Die Lasttiere, die Leichtbewaffneten sowie die Reiter erhalten ihren Platz in der Mitte des Heeres. Von den Schwerbewaffneten stellen sich diejenigen, welche die länglichen, gekrümmten, zylinderartigen Schilde tragen, aussen herum auf und bilden eine Art Rechteck; den Blick nach aussen gerichtet und die Waffen bereit, umschliessen sie den Rest. Die anderen aber mit den flachen Schilden drängen sich im Zentrum dicht zusammen und heben schützend diese über ihre eigenen und über die Häupter aller anderen. So bekommt man gleichermassen durch die ganze Schlachtordnung hin lediglich Schilde zu sehen, und alle Beteiligten stehen dank der dichten Aufstellung geschützt vor Geschossen. (...) Man wendet (die Schildkröte) auf zweierlei Art an : Entweder man nähert sich einer Festung, um sie anzugreifen, wobei oftmals auf diese Weise sogar Soldaten in die Lage versetzt werden, selbst die Mauer zu besteigen, oder alle ducken sich, wenn sie zuweilen von Bogenschützen umringt werden, darunter zusammen – denn auch die Pferde sind eingeübt, niederzuknien oder sich auf die Erde zu legen – und erwecken dadurch bei den Feinden den Eindruck als seien sie erschöpft; nähern sich dann diese, so springen sie plötzlich auf und setzen die Gegner in Schrecken."

    Erläuterungen :
    Schildkröte, lat. testudo. Der Historiker hat die Schilderung dieser Taktik in die Darstellung des Partherkrieges von Mark Anton von 36 v.Chr. eingefügt. Mark Anton führte die Aussenpolitik Caesars weiter, der im Jahre 44 zum Feldzug gegen die Parther aufbrechen wollte, um die Niederlage des Crassus bei Carrhae (53 v.Chr.) zu rächen. Caesar wurde ermordet, bevor er Italien verlassen konnte. Nach wechselnden Erfolgen begann Mark Anton 36 v.Chr. die grosse Offensive gegen das Partherreich, da dort unterdessen 38/37 v.Chr. ein Thronwechsel stattgefunden hatte. Mark Anton fiel von Norden, von Armenien her ein und belagerte vergeblich die Stadt Phraaspa, die Hauptstadt der Meder, auf dem Weg zu Ekbatana, der Hauptstadt der Parther. Die Einnahme der Stadt gelang nicht, die Römer wurden von den eingeschlossenen Gegnern angegriffen, da schützten sie sich durch die oben erwähnte Schildkröte. Schliesslich zogen sich die Römer wieder zurück und erreichten nach Gewaltmärschen in 27 Tagen wieder die armenische Grenze. Erst Augustus hat mit den Parthern 12 v.Chr. einen Frieden geschlossen und die 53 v.Chr. erbeuteten römischen Feldzeichen wieder zurückerhalten. Phraaspa: Zitadelle der Stadt Gazaka in Media Atropatene (h. Nordwest-Iran).
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