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    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit > Übersicht über das römische Heer der Kaiserzeit

    CIL III 10473

    Inschrift eines Senators, der auch Vexillationen befehligte

    CIL III 10473 = ILS 1153, Weihaltar aus Aquincum (Óbuda/Alt-Ofen, 3. Bezirk von Budapest).
    C(aius) Iul(ius) Sept(imius) Cantinus, co(n)s(ul) | desig(natus), leg(atus) Aug[gg(orum)] pr(o) pr(aetore) | P(annoniae) i(nferioris), leg(atus) leg(ionis) I M(inerviae), ex praec(epto) dom(inorum) nn[n(ostrorum)] dux vexil(lationum) IIII | German(icarum legionum), VIII Aug(ustae), XVIII Pr(imae), | XXX Ulp(iae) adversus defectores | et rebelles, proco(n)s(ul) Cretae et Cyr(enaicae) | iurid(icus) per Apul(iam), Cal(abriam), Luc(aniam) Brut(tios), cur(ator) viae Sal(ariae), cur(ator) Ae[c]lan(i municipii), praet(or) | tutel(aris), trib(unus) pl(ebis), quaest(or), tr(ibunus) mil(itum) leg(ionis) | I Adi(utricis) item V Mac(edonicae).

    Übersetzung :
    "C. Iulius Septimius Castinus, designierter Konsul, Statthalter der drei Kaiser der Provinz Pannonia Inferior, Kommandant der Legio I Minervia ("der Minerva zugeeigneten"), auf Befehl (praeceptum) der drei Kaiser (domini nostri) Oberbefehlshaber (dux) der Vexillationen der vier germanischen Legionen (der vier in Germanien stationierten Legionen), nämlich der legio VIII Augusta (der achten Augustischen Legion), der legio XXII Primigenia (der zweiundzwanzigsten "Erstgeborenen" Legion), der legio I Minervia (der ersten Minervinischen Legion), und der legio XXX Ulpia (der dreissigsten Ulpischen Legion) gegen die Abtrünnigen und die Rebellen, Statthalter der Provinz Kreta und Kyrene, Rechtssprecher (iuridicus) für Apulien, Kalabrien, Lukanien und die Bruttier, curator (Verwalter) der via Salaria (die Salzstrasse, von Rom ausgehend), curator (Finanzberater ) der Stadt Aeclanum (in Süditalien), Praetor (mit der Sonderfunktion des Vormundschaftswesens), Volkstribun, Quaestor, Militärtribun der legio I Adiutrix (der ersten "hilfreichen" Legion), ebenso der legio V Macedonica (hat diesen Weihaltar gestiftet). "

    Erläuterungen :
    C. Iulius Septimius Castinus war ein höchst einflussreicher Konsul (Suffektkonsul 212 oder 213 n.Chr.) und General in der Zeit der Severer, d.h. unter Septimius Severus (197–211 n.Chr.) und seinen Söhnen Caracalla (197, bzw. 211–217 n.Chr.) und Geta (209–211 n.Chr.) ; er war wohl ein entfernter Verwandter der Kaiserfamilie. Die Severer sind auch die drei Kaiser, die in der Inschrift genannt werden und die den Kriegszug gegen die Abtrünnigen und Rebellen auf das Jahr 209 n.Chr. datieren. Die aus der Nähe von Budapest (Aquincum) stammende Inschrift zeigt eine absteigende Karriere, d.h. man muss am Schluss des Textes beginnen, um die Laufbahn des Geehrten rekonstruieren zu können. Er bekleidete um 194–195 n.Chr. die Militärtribunate, dann absolvierte er die römischen Magistraturen bis zur Prätur, verwaltete noch zwei weitere Ämter (curae) in Italien, worauf er Statthalter der prätorischen Provinz Kreta und Kyrene wurde (ca. 204 n.Chr.) ; das Kommando über die in Bonn stationierte legio I Minervia hielt er wohl 205–207/208 n.Chr. inne. Seine Ortskenntnis und seine Nähe zum Kaiser Caracalla verschaffte ihm das Sonderkommando als dux. Aus den literarischen Quellen sind keine Hinweise auf diesen Krieg überliefert, so dass die näheren Umstände unbekannt sind. Dieses Sonderkommando zeigt aber auf eindrückliche Weise, mit welchen Mitteln die Kaiser zu Beginn der 3. Jh. n.Chr. auf die Notwendigkeiten einer Kriegsführung antworteten. Septimius Castinus war später (214 n.Chr.) Statthalter von Dakien, wurde aber, weil er ein Parteigänger der Severer war, vom Kaiser Macrinus (217–218 n.Chr.) abberufen ; darauf ging er nach Bithynien, wo ihn aber Elagabal (218–222 n.Chr.) töten liess.
    Weiterführende Literatur : DNP 6, 1999, Sp. 41–42.
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