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    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit > Übersicht über das römische Heer der Kaiserzeit

    Flavius Josephus, De bello Judaico, XIX, 3, 218

    Die Prätorianer, die Kaisermacher

    Nach der Ermordung des Caligula :
    "Claudius hatte sich also, wie oben erwähnt, auf dem Wege, den er mit Gajus ging, von diesem getrennt, und da das ganze Haus infolge des traurigen Endes des Caesars sich in grosser Erregung befand, versteckte er sich, für sein Leben besorgt, in einem engen Gange. Nichts konnte ihm nämlich seiner Meinung nach jetzt mehr Gefahr bringen, als seine hohe Abstammung. In der nächsten Zeit führte er ein eingezogenes Leben als Privatmann und beschäftigte sich in äusserster Genügsamkeit mit dem Studium der Literatur, besonders der griechischen, stets nur darauf bedacht, wie er den draussen tobenden Stürmen entgehen könne. Während nun des Volkes eine allgemeine Bestürzung sich bemächtigt hatte, der ganze Palast von wütenden Soldaten wimmelte und die Leibwachen die Angst und Verwirrung der Bürger zu teilen schienen, traten die sogenannten Praetorianer, die den Kern des Heeres bildeten, zu einer Beratung zusammen. Von allen, die dabei zugegen waren, schlug niemand die Ermordung des Gajus besonders an, weil er sein Schicksal verdient habe, und nur das eine wollten sie überlegen, wie sie selbst am besten bei der Sache fahren würden. Hatten doch auch die Germanen, als sie an den Mördern Rache nahmen, mehr ihre eigene Grausamkeit befriedigen, als für das allgemeine Wohl sorgen wollen. […]
    Bald hatten sich um Gratus viele Soldaten der Leibwache geschart, und als sie Claudius wegführen sahen, gerieten sie in Betrübnis, da sie nicht anders meinten, als er werde wegen der letzten Vorgänge zum Tode geschleppt. Claudius hatte sich ja sein ganzes Leben lang von allem Unrecht fern gehalten und, so lange Gajus regierte, in grösster Lebensgefahr geschwebt. Man hörte deshalb hier und da die Meinung äussern, die Konsuln müssten zu seinem Schutze einschreiten. Inzwischen gesellten sich immer mehr Soldaten zu dem Haufen, und die Volksmenge stob auseinander. Claudius aber konnte vor Schwäche kaum weiter, da seine Sänftenträger, die, als sie ihn wegführen sahen, an seiner Rettung verzweifelten, davongeflohen waren. Als nun der Zug auf der Fläche des Palatiums, der Stelle, die, wie die Geschichtsschreiber melden, von ganz Rom zuerst bewohnt gewesen sein soll, angekommen war, strömte, weil hier die Entscheidung über die Zukunft fallen sollte, eine noch weit grössere Menge Soldaten zusammen, die Claudius sehen und ihn aus Anhänglichkeit an Germanicus zum Caesar ausrufen wollten. Er war nämlich der Bruder dieses Helden, dessen gewaltiger Ruhm auf alle Mitglieder der Familie seinen Abglanz warf. Dazu kam noch, dass die Soldaten daran dachten, wie habgierig diejenigen seien, welche jetzt im Senat die Oberhand hatten, und was dieselben verbrochen hätten, als sie früher im Besitz der Macht gewesen waren. Endlich erwogen sie auch ihre eigene schwierige Lage, da sie, wenn die Herrschaft wieder an einen einzigen Machthaber fiel, von diesem alles zu befürchten hatten, während sie, wenn Claudius durch ihre Hilfe und Vermittlung auf den Thron gelangte, von seiner Erkenntlichkeit eine Belohnung erwarten durfte, die ihren Verdiensten entsprach.
    Also überlegten die Versammelten und teilten ihre Ansicht auch den neu Hinzukommenden mit, die ihr volles Einverständnis mit dem Plan bekundeten. Darauf nahmen sie Claudius in die Mitte und geleiteten ihn in die Kaserne, damit ihre Absicht nicht etwa durch irgend ein Hindernis vereitelt werde. Unterdessen war zwischen dem Volk und den Senatoren Streit ausgebrochen, da die letzteren ihre frühere Macht wieder an sich reissen und das Tyrannenjoch abschütteln wollten, wozu ihnen jetzt die Gelegenheit geboten schien, während das Volk, das den Adel stets gehasst hatte und in der Caesarengewalt den besten Zügel gegen die Willkür desselben sowie seinen eigenen Rückhalt erkannte, des Claudius Erhebung zujubelte. Durfte es doch von diesem, wenn er auf den Thron gelangte, die Verhütung des Bürgerkrieges erhoffen, der ebenso wie unter Pompejus hereinzubrechen drohte. Als nun der Senat Kunde davon erhielt, dass die Soldaten den Claudius in die Kaserne gebracht hatten, sandte er die Vornehmsten aus seiner Mitte zu ihm mit dem Ersuchen, keine Schritte zur Erlangung der Herrschaft zu unternehmen, sondern sich dem Senate zu fügen, da er doch nur einer so vielen gegenüber sei und später auch zu ihnen gehören werde. Die Fürsorge für den Staat solle er der gesetzlichen Behörde überlassen und bedenken, welches Unheil die früheren Alleinherrscher über denselben gebracht hätten und welche Gefahren er zu Gajus’ Zeiten mit ihnen allen habe teilen müssen. Wenn er also über das grausame Wüten der Tyrannei entrüstet sei, das andere sich hätten zu schulden kommen lassen, so möge er selbst sich eines solchen Verbrechens gegen das Vaterland enthalten. Wolle er sich nun dem Senat fügen und sich mit der ehrenvollen Ruhe seines früheren Lebens bescheiden, so werde er von seinen freien Mitbürgern mit Ehrenbezeugungen überhäuft werden und sich den Ruhm eines wahrhaft edlen Mannes erwerben, der innerhalb der gesetzlichen Schranken ebenso zu herrschen wie zu dienen bereit sei. Wenn er sich dagegen nicht raten lassen wollen und durch Gajus’ Ende noch nicht klug geworden sei, so würden sie schon Mittel wissen, da sie einen bedeutenden Teil des Heeres auf ihrer Seite sowie Waffen in Menge zur Verfügung, auch keinen Mangel an Sklaven hätten, die sie entsprechend verwenden könnten. Vornehmlich aber beruhe ihre Hoffnung darauf, dass das Geschick und die Götter nur den unterstützten, der für Recht und Billigkeit streite, und solche Männer seien die, welche für des Vaterlandes Freiheit den Kampf nicht scheuten.
    Mit diesen Worten wandten sich die Abgeordneten des Senates, die Volkstribunen Veranius und Brocchus, an Claudius und baten ihn kniefällig, er möge über die Stadt nicht das Elend des Krieges heraufbeschwören. Als sie aber die gewaltige Menge der Soldaten sahen, die ihn umringten und gegen die das Heer der Konsuln kaum in Betracht kommen konnte, fügten sie die weitere Bitte hinzu, er möge, wenn er durchaus nach der Caesarenwürde verlange, sich dieselbe wenigstens vom Senat übertragen lassen. Denn mit um so grösserem Glück werde seine Regierung gekrönt sein, wenn er mit Zustimmung des Senates die Zügel derselben ergreife. […]
    Claudius wandte sich hierauf an das um ihn versammelte Heer und verpflichtete es durch den Soldateneid zur Treue. Dann liess er der Leibwache Mann für Mann fünftausend Drachmen austeilen, gab den Hauptleuten ein ihrem Range entsprechendes grösseres Geschenk und versprach den übrigen Heeresabteilungen, wo sie auch stehen möchten, dieselbe Spende."
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