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    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit > Die augusteischen Ansiedlungsprogramme

    Howald - Meyer, Nr. 334

    Inschrift des L. Munatius Plancus, des Gründers von Augst

    L. Munatius L. f(ilius) L. n(epos) L. pron(epos) / Plancus co(n)s(ul) cens(or) imp(erator) iter(um) (septem)vir / epulon(um) triump(havit) ex Raetis, aedem Saturni / fecit de manibis, agros divisit in Italia // Beneventi, in Gallia colonias deduxit / Lugudunum et Rauricam.

    "Lucius Munatius Plancus, Sohn des Lucius, Enkel des Lucius, Urenkel des Lucius, Konsul, Zensor, zweimal zum Feldherrn ausgerufen, Mitglied des Siebenmännerkollegiums für Götterspeisungen, triumphierte über die Raeter, stellte aus der Kriegsbeute den Tempel des Saturn her, verteilte Land in Italien in Benevent und gründete in Gallien die Kolonien Lyon und Raurica."
    [E. Howald und E. Meyer : Die römische Schweiz. Texte und Inschriften mit Übersetzung, Zürich 1940, Nr. 334]

    Erläuterungen :
    L. Munatius Plancus, der stolz nicht nur die Filiation anführt, sondern bis auf den Urgrossvater zurückgeht, war einer der wichtigen Politiker und Feldherren der Spätrepublik und ein enger Parteigänger Caesars. Er wurde noch unter Caesar zum Konsul von 42 v.Chr. designiert und erhielt, noch unter Caesar, die Statthalterschaft über die Gallia Comata (Gallien, das von Caesar erobert worden war) zugesprochen. Nach der Ermordung Caesars (15. 03. 44) übernahm er die ihm zugewie-sene Provinz mit fünf Legionen; er bekämpfte einen Raetereinfall, wohl am Hochrhein, und gründete Augst, dann Lyon. Ende 43 v.Chr. feierte er seinen Triumph und war 42 Konsul. In diesem Jahr liess er auch den Saturntempel (auf dem Forum, vor dem Aufgang zum Kapitol; Reste sind erhalten) neu bauen, aus der Beute (manibiae, gebräuchlicher : manubiae), wie er festhält. Die Bauinschrift dieses Tempels ist ebenfalls bekannt (CIL VI 1316 = ILS 41). Dann siedelte er entlassene Soldaten nach der Schlacht bei Philippi (Herbst 42 v.Chr.) in Italien an. Im Bürgerkrieg zwischen Oktavian und Mark Anton trat er auf die Seite von Mark Anton, trennte sich dann aber von diesem 32 v.Chr. Unter Oktavian/Augustus konnte er seine Karriere fortsetzen und war 22 v.Chr. Zensor. Sein Todesjahr ist nicht bekannt ; die Inschrift ist am Mausoleum des L. Munatius Plancus in Gaeta (Italien) angebracht.
    [Zu L. Munatius Plancus, vgl. DNP 8, Sp. 469-471]
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