UniFR Logo
    >Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Probleme, Fragestellungen und Quellenspektrum zur römischen Armee > Epigraphische und papyrologische Quellen

    Speidel, Schreibtafeln, Nr. 5

    Auf Papyrus und auf Schreibtafeln schrieb man Alltagstexte, Briefe und Verwaltungsnotizen, wobei Papyrus auch für literarische Texte verwendet wurde. Wir geben ein Beispiel eines Fragmentes einer Schreibtafel, die von einem Armeeangehörigen in Windisch geschrieben wurde :


    © Aargauische Kantonsarchäologie, Brugg (Photo M. Faessler)

    Erläuterung : Briefe wurden auf zusammenklappbaren Holztafeln (ca. 10 x 15 cm) geschrieben, die mit einer Wachsschicht ausgestrichen waren (tabulae ceratae). Man schrieb mit einem Griffel (stilus) ins Wachs, und wenn der Schreibende zu stark drückte, so hinterliess er auch Spuren im weichen Tannenholz. Bei einem erneuten Gebrauch der Tafel strich man das Wachs glatt und schrieb aufs neue. Heute ist das Wachs längst verschwunden, im Holz kann man noch Schriftspuren entdecken, oft zwei, drei Texte übereinander.

    Die abgebildete Schreibtafel ist eine Aussentafel (unterer Rand, oben ist ein Stück weggebrochen) und enthält die Adresse. Michael A. Speidel liest (Speidel : Die römischen Schreibtafeln von Vindonissa, Briefe 5 für Q. Maius, 106 / AE 1984 702) :

    Q(uinto) Maio milit(i) | leg(ionis) XIII Gem(inae) | > (centuriae) Statii. Nana
    "An den Soldaten Quintus Maius in der 13. Zwillingslegion, in der Zenturie des Statius. Nana".

    Eine vollständige Adresse eines Armeeangehörigen umfasste denNamen (Q. Maius), den Grad (miles) die Einteilung (centuria, geschrieben mit dem Zenturia-Zeichen > mit dem Namen des Centurio (Statius) sowie den Namen der Legion, leg(io) XIII Gem(ina). Interessant ist Nana, die Absenderin ; Nana oder Nan(n)a ist nämlich ein Frauenname, wohl der Name der Freundin oder Lebensgefährtin des Soldaten.
    In Windisch hat man sehr viele Schreibtafelfragmente gefunden, denn das Holz, das sich an anderen Fundplätzen längst aufgelöst hat, ist im Schutthügel unter besonderen Bedingungen der Feuchtigkeit konserviert worden. Aus Windisch stammt der grösste Fund an Schreibtafeln des Römischen Reiches. Weitere Fundplätze sind Vindolanda, ein römisches Kastell bei New Castle (heute Chesterholm, England) sowie Herculanum und Pompeii (Italien).
Antiquit@s est un projet du Campus Virtuel Suisse - Contact : sandrine.codourey(at)unifr.ch & Centre NTE - Université de Fribourg - Suisse