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    >Modules > Heidnischer und christlicher Senatsadel in spätrömischer Zeit > Der Senatsadel Roms und seine Besonderheiten > Otium, Bildung und Tugenden

    Rutilius Namatianus, De reditu suo, 1, 541-550

    Rutilius Namatianus, der ehemalige Stadtpräfekt Roms, besucht auf seiner Rückreise nach Gallien einen ranggleichen Kollegen namens Protadius. In seinem Werk De reditu suo lobt er ihn mit Versen, aus denen damals geschätzte Tugenden deutlich werden:

    Tempora navigii clarus reparaverat Eurus,
        sed mihi Protadium visere cura fuit.
    quem qui forte velit certis cognoscere signis,
        virtutis speciem corde vidente petat.
    nec magis efficiet similem pictura colorem,
        quam quae de meritis mixta figura venit.
    aspicienda procul certo prudentia vultu
        formaque iustitiae suspicienda micat.
    sit fortasse minus, si laudet Gallia civem:
        testis Roma sui praesulis esse potest.


    "Ein wolkenverscheuchender Südost bot wieder günstige Gelegenheit zum Auslaufen; aber mir lag ein Besuch bei Protadius am Herzen. Wer den etwa an bestimmten Merkmalen erkennen möchte, der beschwöre vor seinem inneren Auge ein Abbild der Tugend herauf, und ein Gemälde wird ihn in Farben nicht lebenswahrer darstellen als das Bild, welches zustande kommt, wenn man es aus seinen Verdiensten zusammensetzt. Von fern schon ist an seiner beherrschten Miene seine Klugheit zu erschauen, und Gerechtigkeit leuchtet aus seinen Zügen und lässt zu ihm aufblicken. Mag sein, dass es geringer wiegt, wenn ein Galler seinen Landsmann lobt; doch kann Roma für ihren früheren Stadtpräfekten zeugen."

    Rut. Nam. 1, 541-550.
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