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    >Modules > Spätantike > Strukturen der Spätantike > Gesellschaft und Christentum: Ausbildung der christlichen Lehre und Werte und die Entwicklung der Kirchenorganisation

    Augustinus, Epistula 177, 1-3

    Der britische Mönch Pelagius widersprach der Lehre von der Notwendigkeit der inneren und übernatürlichen Gnade zur Vollbringung des Guten und zur Erlangung der Seligkeit. Er warf Augustinus, dem Schöpfer der wirkmächtigen Gnadenlehre, vor, die Freiheit des Willens zu zerstören. Augustinus liess sich jedoch nicht von seiner seit 396 n. Chr. eingenommenen Haltung (dargelegt in der Schrift De diversis quaestionibus ad Simplicianum) abbringen. In einem Brief an Papst Innocentius I. aus dem Jahr 416 hält Augustinus fest:

    "Von zwei Konzilien der Provinzen Karthago und Numidien haben wir an deine Heiligkeit Schreiben, die von einer nicht geringen Anzahl von Bischöfen unterzeichnet waren, gesandt gegen die Feinde der Gnade Christi, die auf ihre Kraft vertrauen und zu unserem Schöpfer gleichsam sprechen: 'Du hast uns zu Menschen gemacht, zu Gerechten aber haben wir uns selbst gemacht.' Sie nennen die menschliche Natur frei, um keinen Befreier suchen zu müssen; sie erklären sie für heil, um den Heiland als überflüssig zu bezeichnen. Sie behaupten, die menschliche Natur sei so stark, dass sie vermöge der von Anfang an bei ihrer Schöpfung empfangenen Kräfte ohne weitere Hilfe des Schöpfers durch den freien Willen alle Begierden bändigen und austilgen und die Versuchungen überwinden könne. (…) Nicht um den Pelagius allein handelt es sich; vielleicht – hoffentlich – hat er sich schon gebessert. Aber es ist schon überall alles voll von so vielen, die mit ihrem geschwätzigen Gezänk die schwachen und ununterrichteten Seelen wie gefesselt mit sich fortschleppen, die starken aber und glaubensfesten durch ihre Streitsucht ermüden."

    Aug. ep. 177, 1-3, zitiert nach der Übersetzung von Alfred Hoffmann, München 1932.
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