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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Technisches Wissen und Kultur von Armeeangehörigen

    Erläuterungen zur Bauinschrift in Versen von Bu Njem (Bou Njem)

    Das Fort von Bou Njem (antik: Golas) liegt in der Tripolitania (heute Libyen) in einem Wadi und ist durch René Rebuffat ausgegraben worden. Das Fort wurde durch eine Vexillation der legio III Augusta am 24. Jan. 201 gegründet, um die Region und vor allem die Garamanten, einen berberischen Volksstamm, zu überwachen. Wie der Verfasser am Ende des Gedichtes anmerkt, geben die ersten Buchstaben der Verse einen Satz : Porcius Iasucthan cent(urio) leg(ionis) f(ecit) c(urante) mac(istro)? "Porcius Iasucthan hat dies gemacht unter Mithilfe eines Magister (?)". Die Auflösungen sind umstritten, aber der Name des Zenturio und Dichters ist bekannt; es handelt sich um M. Porcius Iasucthan, dessen Zuname Iasucthan einheimischen, libyschen Ursprung verrät. Es wird im folgenden darauf verzichtet, eine ins Einzelne gehende Interpretation vorzulegen. Die Metrik des Gedichtes, wohl Hexameter, ist oft missglückt; die Wortwahl und die Syntax sind oft schwer verständlich, die Sprache zeigt bereits Elemente des Spätlateins. Wir wollen hier nur festhalten : Die von Flavius Sossianus in Auftrag gegebene Prosainschrift enthält Erasionen ("Ausmeisselungen", bezeichnet mit [[ ]] ). Die Namen von Kaisern, die der sog. damnatio memoriae ("Auslöschung aus dem Gedächtnis") verfielen, wurden eradiert, wie hier der Name oder Namenselemente, die an den Kaiser Elagabal (218-222) erinnerten. Aber der Inhalt des Gedichtes ist in den Grundzügen verständlich: der Ritter Flavius Sossianus, stellvertretender Statthalter von Numidien, liess das verfallene Lagertor durch eine Vexillation der legio III Augusta wiederherstellen. Der Dichter beschreibt nun, wie die jungen und kräftigen Soldaten grosse Steinquader heranschleifen liessen und sie dann mit Seilwinden in die Höhe hoben, um das Tor zu errichten. Das Wort, das in diesen Versen am häufigsten fällt, ist virtus, ein Schlüsselwort des römischen Selbstverständnisses, schwierig in unsere Sprache und unsere heutige Mentalität zu übersetzen ("Kraft", "Tugend", "Tüchtigkeit"). Das Tor wurde mit einer Bauinschrift versehen, die eben die Grosstat des Auszuges der legio III Augusta festhalten sollte. Die gegen die Wüste hin errichteten Forts in Libyen, Tunesien und Algerien dokumentieren noch heute auf eindrückliche Weise die Grenze des Orbis Romanus gegenüber der Welt der Nomaden. Noch eindrücklicher ist das Bestreben des Zenturio und mit ihm der ganzen Besatzung, diesen Profanbau in einem epischen Gedicht zu feiern.
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