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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Technisches Wissen und Kultur von Armeeangehörigen

    Einführung in den Themenkreis

    Die römische Legion verfügte über viele Spezialisten und stellte viele Gegenstände wie Waffen und Ziegel selbst her. In einer Legion waren auch viele Handwerker, die zum Teil auf Inschriften erscheinen. Auch die gute medizinische Versorgung durch die Militärärzte darf nicht vergessen werden. Besondere Fähigkeiten und Kenntnisse konnten ebenfalls in der Armee erworben werden, wie die Geschichte des Baues des Aquäduktes von Saldae zeigt, der durch einen Tunnel geführt werden musste. Eine grosse Rolle spielte dabei, dass die Soldaten zahlreich und diszipliniert waren, so dass grosse Bauwerke errichtet werden konnten, was dem Zenturionen von Bu Njem besonderen Eindruck gemacht hatte.
    Zu beachten ist ferner, dass das Heer Träger der lateinischen Schrift- und Sprachkultur war. Es fällt auf, wieviele Daten sorgfältig schriftlich festgehalten wurden, ein Tabularium (Registratur der Legion) wurde geführt, die tägliche Befehlsausgabe erfolgte schriftlich (der tesserarius hatte die Parole zu überbringen) und die Bürodienste des Statthalters und weiterer Provinzbeamter wurden weitgehend von abkomman-dierten beförderten Soldaten (immunes) geleistet.
    Damit sind wir beim zweiten Thema dieser Tafel, das etwas ungewohnter ist. Es geht um die kulturelle Dimension, die in verschiedenen epigraphischen Zeugnissen aufscheint. Dass die Armee auch viel zur Bildung beigetragen hat, scheint unbestritten, da in der Armee dauernd geschrieben und gerechnet werden musste. Hier legen wir aber nicht die Dokumente der täglichen Routine der Armeeverwaltung vor, sondern Gedichte, die von Offizieren der Armee verfasst worden sind. Diese Literaturgattung ist bis jetzt kaum untersucht worden, da sie sich auf Inschriften und nicht in immer wieder abgeschriebenen Manuskripten findet, wie sie etwa die Gedichte Ovids darstellen. Auch erreicht diese Poesie nicht den Rang der hohen römischen Literatur eines Horaz oder eines Vergil, manchmal sind sie sogar schlicht missglückt, aber die Gedichte zeigen gleichwohl den Bildungshintergrund der Berufsoffiziere (Zenturionen), die neben den militärischen Aufgaben auch die Musse in griechisch-römischem Sinne pflegten. (Siehe die Gedichte des Priscus und des M. Porcius Iasucthan). Das schlichte Gedicht für L. Mummius, verfasst von einem Freund, dem freigelassenen M. Cornelius Chrestus zeigt, dass man auch in diesen Kreisen auf seine Bildung stolz war.
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