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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Die Armee als Romanisierungsfaktor und der Stellenwert der Kultur

    Die römische Heeresreligion und die Kulte der Soldaten

    Die römische Heeresreligion ist uns vor allem aus dem Festkalender aus Dura Europos sowie aus offiziellen Weihungen (Inschriften auf Weihaltären) bekannt, welche im Innern des Lagers an bestimmten Stellen vom Legionskommandanten, an anderen Stellen von den Benefiziarien oder einer ganzen Einheit unter Führung des Kommandanten gesetzt wurden. Diese offiziellen Weihungen galten Iuppiter Optimus Maximus (CIL VII 379, Britannien), manchmal mit dem Zusatz conseruator Augustorum nostrorum ("Beschützer unerer Kaiser", so in CIL III 14149, Philadelphia in der Provinz Arabien); dann gibt es die Weihungen an die Disciplina Militaris Augustorum (AE 1957, 122 = AE 1973, 629) oder sehr häufig an den Genius, "den Schutzgott" der Legion, der Kohorte, der Ala, der Vexillation. Oft sind diese Weihformeln verbunden mit einer Weihung an die numina Augustorum, an die "Majestät der regierenden Kaiser", mit anderen Worten, der offizielle Kult verband sich fast immer mit dem Kaiserkult.
    Das auf Papyrus erhaltene Fragment des Festkalenders aus Dura Europos ist ein kostbares Dokument, zeigt es doch, wie in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts die cohors XX Palmyrenorum, die zwanzigste Kohorte der Palmyrener, viele Male pro Monat der verstorbenen und divinisierten Kaiser (und Kaiserinnen) sowie der regierenden Kaiser gedachten. Dura Europos ist eine eindrückliche Festung über dem Euphrat im heutigen südöstl. Syrien, seit Trajan eine römische Garnissonstadt, die um 256 n.Chr. von Shapur I. erobert wurde. Die Funde, die in Dura Europos gemacht wurden, vor allem Fresken, sind einzigartig. Dort wurde eine Kohorte von Palmyrenern eingesetzt; Palmyra ist eine berühmte Oase und Karawanenstation in Mittelsyrien (heute eine grossartige Ausgrabungsstätte). Der offizielle Festkalender, der am Ende der römischen Welt am Euphrat befolgt wurde, ist ganz auf den Kaiser und die kaiserliche Familie sowie auf Rom ausgerichtet. Die Opferriten (ein Ochse, eine Kuh, ein Stier) sind durchwegs römisch.
    Die Weihungen der einzelnen Soldaten drücken dagegen ihre eigene traditionelle religiöse Orientierung aus, die sie ins Lager mitbrachten.
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