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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Wer war in der römischen Armee (Soldaten - Offiziere - Generäle) ?

    C. Allius Oriens und C. Ennius Titus

    Betrachten wir zuerst den Text der Inschrift des C. Allius Oriens, dann den Schmuck der Grabstele! C. Allius Oriens trägt als geborener römischer Bürger die "tria nomina" mit Vornamen (C. = Gaius), Gentiliz (Allius) und Zunamen (Oriens); er nennt die Filiation (Sohn des Gaius) und Tribus Pomptina, in der er eingeschrieben war (die Tribus, in der Republik Bezirk und Stimmabteilung, hatte in der Kaiserzeit keine erkennbare Funktion mehr). Des weiteren gibt er noch seine Herkunft (origo) an mit Dert(ona), heute Tortona in Ligurien (zw. Pavia und Genua). Er war Zenturio, wie das besondere Zeichen für centurio zeigt (>), und zwar Zenturio der 13. Zwillingslegion. Seine frühere Karriere bis zum Zenturiat wird nicht angegeben, ebensowenig, wer ihm den Grabstein gesetzt hat.
    Hingegen prangen auf dem Grabstein die Orden, die er erhalten hatte und die ihn offensichtlich mit Stolz erfüllten : drei (Gold-)Kränze mit Schleifen, die sog. coronae aureae; dann zwei Halsreifen aus Silber (torques); zwei Armreifen aus Gold (armillae) und neun Ehrenscheiben (phalerae, mit Reliefverzierungen, aus Edelmetall). Die Verleihung von Orden ist von Valerie A. Maxfield eingehend untersucht worden; deshalb weiss man, dass die Orden gemäss dem Stand und dem militärischen Rang vergeben wurden. Torques (immer in zwei Exemplaren), armillae (immer in zwei Exemplaren) und phalerae (meistens 9 Exemplare aufs Mal vergeben) waren die Orden, welche die Soldaten (gewöhnliche Soldaten sowie immunes) in der 1. Hälfte des 1. Jh. n.Chr. erhielten. Mit den drei Goldkronen muss er hingegen als Zenturio ausgezeichnet worden sein. Leider kennen wir die Umstände nicht, bei welchen C. Allius Oriens auf diese Weise dekoriert wurde.

    Der Grabstein von C. Ennius Titus ist später anzusetzen als jener von C. Allius Oriens. Darauf deutet die Formel D(is) M(anibus), den Manen (= den Totengeistern, den "Seelen" der Verstorbenen). C. Ennius Titus nennt ebenfalls seinen vollen Namen mit Filiation, Tribus und Herkunft, wie es der Soldatenmatrikel entsprach. Er stammte aus der norditalischen Stadt Placentia (heute Piacenza). Dann nennt er seine militärische Einteilung : er war Soldat der 11. Legion und der Zenturie des Novius Castor zugeteilt. Merkwürdigerweise fehlen die Beinamen der 11. Legion (legio XI Claudia Pia Fidelis) ; Novius Castor war offensichtlich der Zenturio. Dann werden sein Alter – 36 Jahre – und seine Anzahl Dienstjahre (stipendia) – 9 Jahre – angegeben. Schliesslich steht noch die Formel T F I : er hat diesen Grabstein im Testament bestimmt und seine Erben haben das Testament ausgeführt. Bis zur Zeit des Septimius Severus (Ende des 2. Jh.s) haben die Soldaten nicht rechtmässig heiraten dürfen, was nicht ausschloss, dass sie mit Frauen zusammenlebten. Doch diese Familienangehörigen durften nicht als Erben eingesetzt werden; C. Ennius Titus bestimmte deshalb Kameraden als Erben, die das Testament ausführten.

    Zum Erkenntniswert einer Soldateninschrift :
    Dieser Soldat nennt, wie Tausende anderer auch, Herkunft, Alter, Dienstjahre. Es ist offensichtlich, dass diese Angaben zu allgemeinen Untersuchungen über die Herkunft der Soldaten der Legionen in der Kaiserzeit führen können (sind beispielsweiseVeränderungen in der Rekrutierung festzustellen?). Ebenso kann man das Alter des Eintrittes untersuchen (unser Soldat war vergleichsweise alt ; normalerweise traten die 19 bis 20jährigen in die Armee ein), und Studien zur Lebensdauer sind auch möglich.
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