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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Das Legionslager

    Beschreibung des Legionslagers von Vindonissa (Windisch / AG)

    Das Lager bildet ein unregelmässiges Siebeneck mit einer Fläche von 22,7 ha. Umgeben ist es von einer Wehrmauer mit Türmen und zwei Spitzgräben. Heute liegt das Lager unter dem Park und Nebengebäuden der Klinik und der Klosterkirche Königsfelden. Sichtbar sind noch das Westtor, das Nordtor, der Büelturm und eine Badeanlage sowie eine heute noch Wasser führende Leitung. Zur Zivilstadt (vicus), die in einiger Distanz zum Lager im Osten und Süden entstand, gehört das ebenfalls noch gut erhaltene Amphitheater (112 x 98 m); das Forum dagegen, eines der grössten nördlich der Alpen (138 x 122 m) ruht zugedeckt unter der sog. "Millionenwiese". Auch die Ausgrabungen der Lagergebäude mussten wieder zugedeckt werden. Ein Legionslager wird durch die Via Principalis und die Via Praetoria in Quartiere eingeteilt. Der vordere Teil gegen das Ausfallstor (Porta Praetoria) hin heisst Praetentura, der hintere grössere Teil Retentura. Im Falle von Windisch wird diskutiert, ob das Ausfallstor im Süden oder im Norden gelegen hat; wir schliessen uns jenen an, welche die porta praetoria mit dem Südtor gleichsetzen.
    Ein Legionslager bestand nicht nur aus Soldaten- und Unteroffizierskasernen (90 x 20 m), im Lager wohnten ebenfalls die hohen Offiziere, d.h. römische Ritter und ein römischer Senator, der Legionskommandant, der einen hohen Lebensstandard gewohnt war. Die Tribunenhäuser wurden in mediterranem Stil, d.h. als Atriumhäuser, erbaut. Bis jetzt waren zwei von unterschiedlicher Grösse bekannt – a) 48 x 38 m; b) 32 x 38 m – ein weiteres ist durch die Ausgrabung vom Sommer 2003 hinzugekommen. Der Legionskommandant wohnte im einem ihm zugewiesenen Palast (praetorium). Die Stabsgebäude (principia) von beträchtlicher Dimension – 94 x 160 m – befanden sich im Osten der Hauptstrasse (via praetoria), südlich schloss sich ein von Säulengängen (porticus) umschlossener Platz an, der von einem grossen Monumentalbau, der Lagerbasilika, begrenzt wurde. Das Lagerheiligtum, in welchem die Standarten, der Legionsadler und die Kaiserbüsten aufbewahrt wurden, befand sich gegenüber den Principia. Die Kasernen der Auxilien der 11. Legion sind noch nicht gefunden worden, während jene der 21. Legion bekannt sind (cohors III Hispanorum; cohors VI Raetorum und cohors VII Raetorum). Die Bauten des Legionslagers waren mit Ziegeln bedeckt, die teilweise Stempel trugen.
    Eine Besonderheit des Legionslagers von Windisch stellt der Schutthügel in der Nähe des Nordtores dar, da sich in ihm Tausende von Keramikscherben, Metall- und Lederteile sowie Fragmente von Schreibtafeln erhalten haben.
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