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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Die römische Armee im Frieden > Das Legionslager

    Geschichte des Legionslagers von Vindonissa (Windisch / AG)

    Auf dem Geländesporn beim Zusammenfluss von Aare und Reuss, auf welchem sich im 1. Jh. v.Chr. ein keltisches Oppidum (befestigte Siedlung) befand, errichteten die Römer anlässlich des Alpenfeldzuges 15 v.Chr. einen militärischen Stützpunkt. 17 n.Chr., im Zuge der Neuordnung der Rheinfront, errichtete die 13. Legion, die "Zwillingslegion" (legio XIII Gemina) hier das erste Lager, noch aus Holz. Mitte des 1. Jh. n.Chr. wurden die Holzbauten durch Stein ersetzt. Die 13. Legion wurde 45 n.Chr. nach Poetovio (Pecs) in Pannonien (heute : Ungarn) verlegt, an ihre Stelle trat die 21. Legion, "die Stürmische" (legio XXI Rapax), die das Lager ausbaute. Mit dieser Legion gerieten die Helvetier im sogenannten Vier-Kaiser-Jahr (anfangs 69) in Konflikt, da sie den Kaiser Galba unterstützten, während die Legion bereits dem Usurpator Vitellius den Treueid geschworen hatte. Die 21. Legion wurde von Kaiser Vespasian abgezogen und die 11. Legion, die "kaisertreue" (legio XI Claudia Pia Fidelis) eingewiesen, welche bis 101 hier blieb. Dann wurde das Legionslager aufgehoben.
    Neben dem Lager entwickelte sich der vicus von Vindonissa, die Zivilsiedlung, von welcher das Forum und das Amphitheater sowie Kalköfen bekannt sind. Auch gibt es ein inschriftliches Zeugnis der vicani Vindonissenses, die sich offenbar selbst verwalteten und die Mars, Apollo und Minerva einen Bogen stifteten (CIL XIII 5195 = Howald-Meyer 265 = Walser, RIS 149). Wohl näher am Lager gab es die Lagervorstadt (die canabae), in welcher die Händler wohnten, die ebenfalls auf zwei Fragmenten genannt werden (CIL XIII 5221= Howald-Meyer 267 = Walser, RIS 164; CIL XIII 11518 = Walser, RIS 173). Zwei kleine gallo-römische Tempel und Vicus-Thermen vervollständigen die bisherige Kenntnis der Zivilstadt. Es ist zu vermuten, dass nach Abzug der Legion im Jahre 101 zivile Bewohner in das Legionsareal einzogen und dort wohnten.
    Für die Spätantike gibt es wieder Nachrichten zu Windisch: 260 wurde der vicus wieder befestigt, der sog. Büelturm geht auf diese Befestigungsanlage zurück. 302 (Jahr nicht ganz gesichert) schlug der "Unterkaiser" Constantius Chlorus, der Vater Konstantins des Grossen bei Vindonissa die Alemannen. In der Notitia Galliarum (ca. 400 n.Chr.) wird das Castrum Vindonissense genannt und im 6. Jh. ist Windisch Bischofssitz, da zwei Bischöfe in Konzilsakten erscheinen und ein Bischof Ursinus auf einer merowingischen Inschrift bezeugt ist. Nachgewiesen ist ein spätrömisch-früh-mittelalterliches Gräberfeld, aber noch nicht die Bischofskirche.
    Die Forschungen über Vindonissa werden publiziert im Jahresbericht der Gesellschaft Pro Vindonissa.
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