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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit > Übersicht über das römische Heer der Kaiserzeit

    Die politische Rolle der Prätorianer

    Die Prätorianerkohorten nahmen innerhalb der Truppen eine besondere Stellung ein : (1) Sie waren die einzigen militärisch gut ausgebildeten Verbände, die sich in der Nähe der Hauptstadt befanden. (Die städtischen Kohorten wurden für den "Polizeidienst" eingesetzt und die Wachkohorten waren Feuerwehrleute). (2) Sie standen in einem besonderen Verhältnis zum Kaiser, da sie ihn als Oberbefehls-haber der römischen Armee schützten und ihn bei einem Kriegszug begleiteten. (3) Sie besassen den Status einer Eliteeinheit, was Sold und Dauer des Dienstes betraf. (4) Zugleich dienten die Kaderpositionen, d.h. die Stellen der Kommandanten der Kohorten, gewissermassen als Zentralschule für die Kader der römischen Legionen; die Tribunen der Kohorten (einer Prätorianerkohorte stand ein Tribun vor), waren ehemalige ranghöchste Zenturionen einer Legion oder dann ehemalige Tribunen der städtischen Kohorten, bzw. der Wachkohorten.
    Bereits in der römischen Republik gab es jeweils eine Prätorianerkohorte, die den Feldherrn begleitete. Augustus schuf die stehende Einheit und am Ende seiner Regierungszeit gab es 9 cohortes praetoriae. Er ernannte zwei Prätorianerpräfekten (später gab es manchmal auch nur einen), den praefectus praetorio oder die praefecti praetorio. Dem mächtigen Prätorianerpräfekten Seianus gelang es unter Tiberius, die Prätorianerkohorten, die an verschiedenen Orten in Rom und in weiteren Städten Italiens lagerten, in ein einziges Lager zusammenzuziehen, die castra praetoria (in der Nähe des heutigen Bahnhofes Termini). Damit wurde ihr politisches Gewicht sehr gross.
    Die Prätorianerkohorten spielten eine Rolle beim Machtwechsel von einem Kaiser zum nächsten, da der römische Prinzipat nicht die automatische Nachfolgeregelung ("Le roi est mort; vive le roi") kannte, sondern der vorgesehene Nachfolger sich der Zustimmung der Truppen, des Senates und auch des Volkes von Rom versichern musste. Jeder neue Princeps trachtete danach, die Praetorianer günstig zu stimmen und gab ihnen Geldgeschenke (donativa). Am Ende des 2. Jh. wurden die disziplinlos gewordenen Prätorianerkohorten von Septimius Severus aufgelöst und an ihre Stelle trat eine Legion; damit wurde Italien auf den Status einer Provinz herabgedrückt, da vorher in Italien keine Legionen stationiert waren.
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