UniFR Logo
    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit > Die Schlacht bei Aktium und – was nun?

    Einführung in die Problemstellung

    Das gesamte Kapitel behandelt, wie der Titel sagt, die Schaffung und Struktur des stehenden Heeres durch Augustus, der den Grundstein zur kaiserzeitlichen Armee legte. Das römische Heer ist aus jenem der Republik herausgewachsen, das die Expansion Roms zuerst in Italien (bis 272 v.Chr.), dann mit den drei punischen Kriegen, den drei makedonischen Kriegen sowie mit dem Krieg gegen Antiochos III. über die Welt des Mittelmeeres getragen hat (bis 146 v.Chr.). Das Heer bestand aus schwerbewaffneten Fusssoldaten, den römischen Legionären (milites), angeführt vom römischen Amtsadel (nobilitas), den Senatoren. Es war ein Milizheer, die Legionen wurden nach den Kriegszügen jeweils wieder entlassen, die Soldaten kehrten auf ihre Bauerngüter zurück. Dieses System erlitt seine ersten Brüche im zweiten punischen Krieg (218–212), als sich die Kriegsschauplätze immer weiter entfernten und ein mehrjähriger Kriegsdienst die Regel wurde, was die wirtschaftliche Grundlage der (Bauern)-Soldaten in Frage stellte. So sah sich der General und Konsul Marius 100 v. Chr. gezwungen, als Rekruten nun auch besitzlose Proletarier in die Legionen aufzunehmen. Diese Reform hatte weitreichende Folgen: Einerseits bedeutete sie, dass von nun an die Soldaten bei ihrer Entlassung aus dem Militärdienst grosse Entschädigungen und vor allem ein Stück Land verlangten, um darauf ihre zivile Existenz zu gründen. Anderseits banden sich so, mit mehrjährigem oft unter einem Feldherrn geleisteten Kriegsdienst, die Soldaten immer enger an ihren Führer, es entstand ein Klientelverhältnis zwischen Soldaten und Feldherrn, das die Loyalität zum (abstrakteren) römischen Staat ablöste. Den Gipfel dieser Entwicklung ersieht man am Verhältnis zwischen C. Julius Caesar und seinen Soldaten in Gallien (58–52 v.Chr.). Der auf Caesars Ermordung folgende Bürgerkrieg bildete den Höhepunkt dieser auf die auf die einzelnen Generäle fixierten republikanischen Armeen.
    Bereits bei der Eroberung Italiens bestand das römische Heer nicht nur aus Legionen, sondern die Bundesgenossen und die Alliierten verschiedener Kategorien waren verpflichtet, Kontingente an Infanteristen, Reitern und an Schiffen zu liefern und dem römischen Oberbefehl zu unterstellen. Auch diese Entwicklung setzte sich im zweiten und im ersten Jahrhundert v.Chr. fort.
    Mit dem Sieg bei Aktium erbte Oktavian alle die erwähnten Probleme und sah sich vor die Aufgabe gestellt, das Riesenheer zu demobilisieren, die verbleibenden Truppen in den Staat zu integrieren und ihre Loyalität dauerhaft an sich zu binden. In den fünf Tafeln werden Ihnen verschiedene Aspekte dieser langfristigen Aufgabe vorgestellt : in der ersten Tafel geht es um die Schlacht bei Aktium und die sich daraufhin stellenden Probleme. In der zweiten Tafel werden Ihnen der römische Legionär (Infanterist) und die römische Legion vorgestellt anhand literarischer, epigraphischer und archäologischer Quellen, die aus dem einzigen, sich in der Schweiz befindlichen Legionslager stammen, nämlich aus Windisch (Vindonissa) bei Brugg. Die dritte Tafel beschäftigt sich mit der Demobilisierung der Legionen nach der Schlacht bei Aktium, die in der Form von Koloniegründungen rund ums Mittelmeer erfolgte. Augustus gelang es während seiner Regierungszeit, klare Bedingungen für den Heeresdienst zu schaffen und die Besoldungen neu zu regeln, was das Thema der vierten Tafel darstellt. Die fünfte Tafel schliesslich gibt Ihnen eine Gesamtsicht über die römische Armee, die in den Provinzen stationiert war, zu welcher aber auch die Garnison von Rom und die persönliche Garde des Kaisers sowie die im Mittelmeer, später auch auf den grossen Flüssen stationierte Flotte zu zählen ist. Der Gesamtübersicht über die Heeresteile ist eine Graphik zur Kommandostruktur des römischen Heeres beigegeben, damit die Spiegelung der ständischen Struktur der römischen Gesellschaft in der Armee deutlich wird.
Antiquit@s est un projet du Campus Virtuel Suisse - Contact : sandrine.codourey(at)unifr.ch & Centre NTE - Université de Fribourg - Suisse