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    Modules > Numismatik > Einführung > Die Münze als historische Quelle

    Geldentwertung durch Senkung des Silbergehalts

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    Die antiken Münzen erhielten ihren Verkehrswert vor allem durch ihren Gehalt an Edelmetallen (Gold und besonders Silber).

    Ein hoher Geldbedarf, wie er zum Beispiel in Krisenzeiten herrschte, um z.B. die Soldaten rechtzeitig zu bezahlen, konnte dazu führen, dass der Staat die allgemeine Nachfrage nach Münzen nicht mehr befriedigen konnte. Gründe dafür waren neben der Erschöpfung der Silbervorkommen, dass in Krisenzeiten die Bevölkerung die Münzen aus Edelmetall wegen des hohen Materialwertes hortete, und dass z.B. auch viele germanische Söldner, das Geld nicht mehr im römischen Reich, sondern in ihrer Heimat ausgaben. Die Folge davon war, dass man die Ausgaben nur noch dadurch bestreiten konnte, indem man den Silbergehalt in den Münzen senkte, ihren nominellen Wert aber beibehielt. Dass diese Praktik aber zu Preiserhöhungen und Inflation führte, war dem ökonomischen Denken der Antike fremd. Um der Geldnachfrage weiter nachzukommen, gab es nur die Möglichkeit, dass man z.B. das Gewicht und den Silbergehalt der Münzen weiter senkte, ihren nominellen Wert aber beibehielt. Um diesem "Teufelskreis" der Inflation zu begegnen waren die Kaiser des 3. und 4. Jh. gezwungen mehrere Münzreformen durchzuführen. 

    Erst in der Neuzeit hat Sir Thomas Gresham (1519 – 1579), Kaufmann und Berater des englischen Hofes, diesen Prozess als Gesetzmässigkeit erkannt und theoretisch erfasst. Man spricht seither von "Gresham's Law". Es besagt, dass in einer Währung die aus guten wie schlechten Geldmitteln besteht, die guten Geldmittel dem Verkehr entzogen und die schlechten Geldmittel im Umlauf bleiben, das schlechte Geld also das gute Geld verdrängt. Im Englischen wird dies durch folgende Formel ausgedrückt: " When there is a legal tender currency, bad money drives good money out." 

     

    Die Analyse der Münzfunde unter diesem metallurgischen Aspekt in Verbindung mit schriftlichen Quellen zu Preisen und Löhnen oder Versorgungsproblemen liefern interessante Einsichten zur Finanz- und Wirtschaftsgeschichte des römischen Staates.

    Das folgende Beispiel zeigt wie die römischen Kaiser die in Alexandrien geprägten Silbermünze (Tetradrachmen) in Bereich des Gewichts und des Silbergehaltes (Feingehalt) manipulieren liessen (für die Lücken im rosa Graph liegen noch keine metallurgischen Untersuchungen vor).

    Das Beispiel wurde zitiert nach Kenneth W. Harl, Coinage in the Roman Economy 300 B.C. to A.D. 700, Baltimore - London 1996,142.

     

    JahrKaiserGewicht (g)Silbergehalt (%)Silbergehalt (g)
    58-67
    Nero
    13.22
    16.54
    2.19
    167-170
    Mark Aurel
    12.68
    12.39
    1.57
    178-182
    Commodus
    11.90
    7.75
    0.92
    191-192
    Commodus
    11.90
    6.20
    0.74
    193-211
    Septimius Severus
    11.55
    10.01
    1.16
    212-217
    Caracalla
    12.62
    7
    0.88
    218-222
    Elagabalus
    12.28
    -
    -
    224-227
    Severus Alexander
    12.75
    6.84
    0.87
    235-238
    Maximinus I
    12.41
    6
    0.74
    238
    Gordian I
    12.90
    7.50
    0.96
    238-244
    Gordian III
    12.38
    6
    0.74
    244-249
    Philip I (Arabs)
    12.20
    5
    0.61
    249-251
    Trajan Decius
    12.56
    7
    0.87
    251-253
    Trebonianus Gallus
    10.59
    -
    -
    253-260
    Valerian
    10.52
    -
    -
    260-261
    Macrianus & Quietus
    10.49
    -
    -
    261-268
    Gallienus
    9.97
    4
    0.40
    268-270
    Claudius II
    9.71
    2.7
    0.26
    270-274
    Aurelian
    9.24
    -
    -
    274-275
    Aurelian
    7.99
    -
    -
    275-276
    Tacitus
    8.05
    -
    -
    276-282
    Probus
    7.78
    -
    -
    282-284
    Carus & Carinus
    7.77
    -
    -
    284
    Diokletian
    7.47
    0.50
    0.04
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