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    Preise und Löhne

    Eine der vielen Fragen, die Sie sich wohl im Verlauf des Moduls gestellt haben, war wohl: Was kann man eigentlich mit welcher Münze kaufen? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten angesichts der lückenhaften Quellenlage. Als Antwort soll anhand der Soldentwicklung der einfachen Soldaten der Kaiserzeit gezeigt werden, welches Einkommen man für eine durchschnittliche Familie mit einem bescheidenen Komfort erwarten kann. Denn für Rom galt vermutlich das, was auch für viele Länder der dritten Welt gilt, das eine kleine finanzkräftige Oberschicht einem Heer von Menschen gegenüberstand, die am Existenzminimum lebten. Als Bezugspunkte können die Vermögen gelten, die jeweils für die Zugehörigkeit zum Senatorenstand (1 Mio Sesterzen = 250'000 Denare) bzw. zum Ritterstand (400'000 Sesterzen = 100'000 Denare) notwendig waren.

    1. Entwicklung der Besoldung im römischen Heer (in Denaren pro Jahr)

    Augustus
    Domitian
    Septimius Severus
    Caracalla
    Maximinus Thrax
    27 v.Chr.–14 n.Chr.
    81–96 n.Chr.
    193–211 n.Chr.
    211–217 n. Chr.
    235–238 n.Chr.
    1. Legion     
    miles (Soldat)
    225
    300
    600
    900
    1800
    eques (Reiter)
    262.5
    350
    700
    1050
    2100
    centurio (Hauptmann)
    3375
    4500
    9000
    13500
    27000
     
    2. Auxilia
    miles cohortis
    187,5
    250
    500
    750
    1500
    eques cohortis
    225
    300
    600
    900
    1800
    eques alae
    262,5
    350
    700
    1050
    2100
    centurio cohortis
    937,5
    1250
    2500
    3750
    7500
    decurio cohortis
    1125
    1500
    3000
    4500
    9000
    decurio alae
    1312,5
    1750
    3500
    5250
    10500

    Die massive Erhöhung der Soldzahlungen ging einher mit einer nachhaltigen Verschlechterung des Silbergehalts der Denare und einer daran gekoppelten Inflation, sodass man annimmt, dass die Kaufkraft nicht gestiegen, sondern sogar eher gefallen sein dürfte. Auch ist zu bemerken, dass die Soldaten einen Teil ihres Soldes direkt wieder für Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und den Bestattungsfonds der Einheit abgeben mussten.

    2. Preisaufschriften aus Pompeji

    In der 79 n.Chr. durch den Ascheregen des Vulkans Vesuv untergegangenen Stadt Pompeji haben sich auf Grafitti Preise für folgende Produkte erhalten (vgl. CIL IV 1678; 4227f.; 4000; 4888):

    1 modius (6,5 kg)Roggen12 Asse
    1 modiusWeizen

    30 Asse

    1 modiusLupinen3 Asse
    1 Pfund (0,327 kg)Öl4 Asse
    1 Maß (wohl sextarius: 0,55l)Landwein1 As
    1 Maß Spitzenwein4 Asse
    1 Pfund Brot ca. 1 As
    Teller 1 As
    Kleines Trinkgefäss 2 Asse
    Tonlampe 1 As
    Tunica 15 Sesterzen (= 60 Asse)
    ReinigungTunica4 Sesterzen (= 16 Asse)
    MaultierKaufpreis520 Sesterzen (=2080 Asse)


    3. Das Höchstpreisedikt Diokletians

    Kaiser Diokletian erliess zur Stabilisierung der aus allen Fugen geratenen Wirtschaft im Jahr 301 n.Chr. ein Edikt, das die maximalen Preise für Waren und Diestleistungen festlegen sollte. Inwieweit diese Massnahme effizient durchgesetzt werden konnte, und als wie sinnvoll sie anzusehen ist, bleibt umstritten. Allem Anschein nach wurde das Gesetz schon wenige Jahre nach Inkrafttreten wieder still abgeschafft, weil die Durchführung umständlich und die erhofften Ergebnisse nicht eingetreten waren. Die folgenden Zahlen sollen dennoch einen weiteren Orientierungspunkt geben. Die Rechnungseinheit ist der spätantike Denarius, der erst durch die Münzreform Konstantins (324 n.Chr.) aufgegeben wurde. Sein Wert hatte sich bis zur Zeit Diokletians durch den immer kleiner werdenden Silberanteil auf 4% des ursprünglichen Materialwertes verringert, so dass er hier nur noch als Recheneinheit dient. Dennoch sind die Verhältnisse der Preise zu einander interessant.

    Preise
    Dienstleistungen (Tagessatz)
    Frachttarife (pro Scheffel : 17,5 l)
    Weizen (17,5l)100Landarbeiter mit Verpfl.25Alexandria–Rom16
    Gerste100Maurer mit Verpfl.50Alexandria–Byzanz12
    Kichererbsen, Linsen100Mosaikarbeiter mit Verpfl.60Alexandria–Sizilien10
    Leinsamen150Schreiner mit Verpfl.50Alexandria–Ephesus8
    Schweinefleisch (0,327 g)12Freskenmaler150Syrien–Rom18
    Rindfleisch (0,327 g)8Bäcker mit Verpfl.50Syrien– Africa16
    gemästete Gans (1 Stück)200Hirt mit Verpfl.20Syrien–Spanien20
    nicht gemästete Gans100Maultiertreiber mit Verpfl.25Syrien–Sizilien6
    Hase100Friseur pro Kunde2Africa– Sizilien6
    Turteltaube16Kloakenreiniger mit Verpfl.25Africa –Spanien8
    Wildschwein (0,327 kg)16Schneider (Gewand in Seide)50Africa–Gallien4
    Lamm (0,327g)12Schneider (Gewand aus Halbseide)30  
    Ziege (0,327g)12Färber (Reinigung einer Tunica)16  
    Meeresfisch (nach Qualität)16–24Grundschullehrer pro Schüler und Monat50  
    Süsswasserfisch (nach Qualität)8–12Hochschullehrer pro Student und Monat250  
    100 Austern100Bademeister pro Kunde2  
    5 Köpfe Salat4Schuster für ein Paar Schnürschuhe100  
    Bohnen (0,327g)4Schuster für ein Paar Schnürschuhe für Frauen60  
    25 Karotten6Schuster für ein Paar Schnürschuhe für Kinder30  
    100 Kastanien4Schuster für ein Paar Sandalen (doppelte Sohle)80  
    50 Walnüsse4Schuster für ein Paar Sandalen (einfache Sohle)50  
    10 Pfirsiche4    
    10 Äpfel (1. Qualität)4    
    40 kleine Äpfel4    
    30 Pflaumen 1. Qualität4    
    4 Eier4    
    40 Feigen4    
    Frischer Käse (0,55l)8    
    Trockenkäse (0,327g)12    
    Olivenöl, 1. Qualität40    
    Olivenöl, 2. Qualität24    
    Essig (0,55l)6    
    Sauce (garum), 1. Qualität16    
    Salz (17,5 l)100  nach Weeber, Alltag im Alten Rom, S. 281–7

    Auswahlbibliographie:
    • H.J. Drexhage, Mieten, Pachten, Kosten im römischen Ägypten, Münster 1991
    • R. Duncan– Jones, The Economy of the Roman Empire. Quantitative Studies, Cambridge 1982 (2. Auflage)
    • M.A. Speidel, Roman Army Pay Scales, JRS 82, 1992, 87–106
    • M.A. Speidel, Sold und Wirtschaftslage der römischen Soldaten. In: G. Alföldy et al. (Hrsgg.), Kaiser, Heer und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Gedenkschrift E. Birley, 2000 65–96
    • K.–W. Weeber, Alltag im Alten Rom, Ein Lexikon., Düsseldorf–Zürich 1998
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