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    Modules > Römische Armee der Kaiserzeit > Schaffung und Struktur des stehendes Heeres der Kaiserzeit

    Die augusteischen Ansiedlungsprogramme

    1. Die Grabstele von zwei Veteranen aus Patrai (Griechenland)

    © A. D. Rizakis, KERA, Athènes

    Erläuterungen :
    Die aus Fragmenten zusammengesetzte Grabstele nennt zwei in Patrai (heute Patras in Griechenland) angesiedelte Veteranen. Die Bedeutung dieses Fundes kann durch die folgende Stelle des Geographen Strabon erhellt werden, der in augusteischer Zeit gelebt hat :

    2. Patrai als römische Kolonie
    Strabo, Geographie, VIII, 7, 5 = 387C :
    "Nach diesen Orten kommt man zu einer wichtigen Stadt, Patrai; vierzig Stadien liegen zwischen ihr und Rhion und Antirrhion. Neulich haben die Römer nach der Schlacht bei Aktium dort einen bedeutenden Teil ihres Heeres angesiedelt; nun ist Patrai eine römische Kolonie und unterscheidet sich (von anderen Städten) durch eine zahlreiche Bevölkerung; Patrai verfügt auch über einen recht guten Ankerplatz."

    3. Definition der römischen Kolonie
    Aulus Gellius, ein römischer Schriftsteller des 2. Jh. n.Chr., definiert das Wesen einer römischen Kolonie folgendermassen (Attische Nächte, XVI, 13, 8) :
    "Bezüglich der Kolonien herrscht ein ganz anderes Verhältnis ; denn sie kommen nicht (als Fremde) von aussen in den römischen Staat, noch können sie sich auf einen eigenen Ursprung berufen (wie die Munizipien), sondern sie sind aus dem römischen Staat selbst (herausgewachsen und) gleichsam weiter verpflanzt und sie haben somit alle Rechte und Einrichtungen des römischen Volkes, nicht irgendwelche eigenen. 9. Obgleich nun dieses Verhältnis (der Kolonien zum römischen Staat) abhängiger und weniger frei erscheinen mag, so muss es doch für würdiger und ansehnlicher gehalten werden wegen des Glanzes und des Ansehens des römischen Volkes (des römischen Staates), sind doch die Kolonien gleichsam eine Art Abbild (des römischen Staates) im Kleinen ..."

    Erläuterungen :
    Um diesen Text richtig zu verstehen, muss man folgendes wissen :
    1) Das römische Reich war ein Staat auf mehreren Ebenen, so, wie die Schweiz den Bund und die Bundesverwaltung, den Kanton und die Kantonsverwaltung und die Gemeinde und die Gemeindeverwaltung kennt. Das Imperium Romanum war dementsprechend in die Reichsverwaltung mit Zentralbürokratie, in die Provinzverwaltung (Statthalter und Finanzverwalter) sowie in die Gemeinden (sie heissen Kolonien, Munizipien und Stammesgemeinden) eingeteilt. Diese Gemeinden, die immer eine Stadt und das dazugehörende Territorium umfassten, verfügten über eine eigene Verwaltung, eigene Behörden und waren relativ autonom.
    2) Die hier erwähnten Kolonien waren aufgebaut wie die alte römische Republik (zwei Bürgermeister in der Kolonie entsprechen den beiden Konsuln usw.). Die Verwaltung folgte römischen Grundsätzen. Der in den Inschrift von Patrai genannte Veteran war Duumvir = Bürgermeister.
    3) Die Koloniestadt war nach römischen Grundsätzen erbaut, mit Forum, Basilika, Tempel für die kapitolinische Trias, Thermen und Aquaedukten. Kennzeichen römischer Koloniestädte ist das regelmässige Strassenraster mit sich rechtwinklig kreuzenden Strassen.
    Ergebnisse :
    Durch die Ansiedlungen der Veteranen in römische Kolonien konnte Augustus sein nach Beendigung der Bürgerkriege viel zu grosses Heer demobilisieren. Die Veteranen erhielten Land und konnten sich eine neue Existenz aufbauen ; in der neuen Kolonie war es ihnen möglich, auch sozial aufzusteigen. Durch die Kolonisation wurden die römische Lebensweise und die römischen Verwaltungsgrundsätze in weite Teile des Imperium Romanum verpflanzt, sogar in den griechischen Osten. Die meisten Kolonien befanden sich jedoch rund ums Mittelmeer. Die Kolonisation war nur in den "wilden" Jahren des Bürgerkrieges und seiner Liquidation möglich ; nachher mussten andere Mittel gefunden werden.




    Bibliographie pour la fiche
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