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    Gewichte und Nominale : das Rohmaterial

    Am Anfang der Entwicklungsgeschichte der Münze steht der justierte (d.h. mit einem festgesetzten Gewicht versehene) Kleinbarren, dem im Tauschhandel von den Parteien ein allgemein anerkannter Wert zugestanden wird. Anders als beim modernen Geld ist in der Antike in der Regel der Metallwert für die Kaufkraft der Münze bestimmend. Man spricht deshalb von Wertgeld im Gegensatz zum Kreditgeld der heutigen Zeit. Es ist deshalb auch wichtig, eine kurze Übersicht über die gängigsten Gewichte zu geben. Die griechischen Münzen werden als Ausgangspunkt genommen, weil sie den Anstoss für die römische Entwicklung gegeben haben.

     

    Griechenland:



    Der Nominal (Nennwert) einer Münze hängt vom Feingehalt des Metalls und dessen Gewicht ab. Deshalb wird die Einführung von Münzen auch oft mit der Festlegung von allgemein verbindlichen Gewichten in einer Stadt verbunden (vgl. Herodot VI 127,3 für den Argiver Pheidon auf Aegina).

    Die Basis für die griechischen Münzen war das Gewichtsmass des Talents, von dem sich alle weiteren Einheiten ableiten. Der Begriff bedeutete ursprünglich "Waage". In Korinth, Aigina, Euböa und Attika betrug das Gewicht eines Talents 26,196 kg.

    Folgende Tabelle gibt die Gewichtsrelationen für die athenischen Münzen an, die am weitesten verbreitet waren (alles in Silber). Es ist dabei anzumerken, dass das Talent und die Mine lediglich in Form von Metallbarren und als Recheneinheiten grosser Münzmengen in Verwendung waren, mithin nicht als Münzen selbst existierten. Desgleichen konnten besonders von den Drachmen und Stateren sog. Multiple geprägt werden, Münzen also, die das mehrfache Gewicht etwa eines Staters oder einer Drachme aufwiesen. Aus der griechischen Antike sind besonders die Didrachmen (Zweidrachmenstücke) und Tetradrachmen (Vierdrachmenstücke) aus Athen bekannt. Die Stadt Syrakus in Sizilien prägte sogar Dekadrachmen (Zehndrachmenstücke). 

     

     TalentMineStaterDrachmeObole
    Talent1603'0006'00036'000
    Mine 150100600
    Stater  1212
    Drachme   16
    Obole    1

     

    Die einzelnen Städte gingen von unterschiedlichen Unterteilungen für das Talent aus, weshalb auch die Ausgangsgewichte für die Münzen (Münzfüsse) differieren konnten. Die Bezeichnung der Nominale wie der Gewichtsrelationen der Münzen mit dem gleichen Münzfuss waren jedoch überall in der Regel einheitlich (einige wichtige Ausnahmen sind unten angegeben).

    Die wichtigsten griechischen Münzfüsse finden Sie in der folgenden Tabelle:

     

    MünzfussStaterTetradrachmeDrachmeStädte und Gebiete
    euböisch-attisch8,732 g < 17 g4,366 gAthen, Euboia, Alexanderreich (1 Mine = 100 Drachmen)
    aiginetischer  ca. 6,2 gAigina (1 Mine = 70 Drachmen)
    milesischer  ca. 7 gMilet, kleinasiatische Küste (1 Mine = 60 Drachmen)
    korinthischer8,4 g ( = 3 Drachmen) ca. 2,8 gKorinth, Unteritalien und Sizilien
    phokäischer / persischer16,5 g ( = 3 Drachmen) ca. 5,5 gKyzikos, Phokaia, Mitylene (Elektronprägungen), Lydien
    chiotischer / rhodischer ca. 15, 3 g – 15,5 g Karien, Ionien, Mysien, Troas
    phönikischer / ptolemäischer  3, 36 g (= 5/6 der attischen Drachme); Phoinikien, Palästina

     

     

     

    Rom

    Im römischen Münzwesen gilt ein einheitlicher Münzfuss: das römische Pfund (libra) von ca. 327 g ( das schwere Pfund hatte ca. 341 g; auf ihm beruhend wurde im 3. Jh. v.Chr. noch das sog. aes grave geprägt). Die einzelnen Münzgewichte sind immer ein Bruchteil dieses Pfundes, wenngleich sich die Wertverhältnisse der Nominale untereinander änderten. Anbei soll der Überlick über die Nominale einen ersten Eindruck vermitteln. Im Gegensatz zu den meisten Griechenstädten mit ihren bimetallischen Münzsystemen (Gold / Silber) kennen die Römer ein trimetallisches (Gold / Silber / verschiedene Kupferlegierungen, die man als Aes bezeichnet). Neben dem Verhältnis der Gewichte ist deshalb auch immer das Wertverhältnis der Metalle untereinander zu berücksichtigen.

    Römische Republik:

    In der römischen Republik galt beim Erzgeld (Aes) das Duodezimalsystem mit folgenden Unterteilungen:

     AsSemisTriensQuadransSextansUncia
    As (Aes)1234612
    Semis 11.5236
    Triens  11.33324
    Quadrans   11.53
    Sextans    12
    Uncia     1


    Daneben gab es die Grossmünze des Decussis (Aes = 10 As) und als Silbergeld den Denar (ursprünglich = 10 As, später = 16 As, wegen der Silberknappheit und der sich daraus ergebenden Überbewertung des Aes-Geldes). Ursprünglich galt die Formel 1 As = 1 libra (= ca. 327g). Im Lauf der Republik wurde aber das Ausgangsgewicht des Asses kontinuierlich bis auf die Relation: 1 As = 1/24 libra = 1/2 uncia = ca. 13,6 g (86. v.Chr.) reduziert.

     

     Römische Kaiserzeit:

    Von Augustus bis zum Ende des 2. Jh. (die Zeit, aus der auch alle Münzbestimmungen der Kaiserzeit gewählt wurden) galt die folgende Tabelle. Aufgrund der Preisentwicklung und des allgemeinen Gebrauchs wurden die kleinen Bronzemüunzen unter dem Wert eines Asses nicht mehr geprägt, so dass das As die kleinste Münzeinheit in der Kaiserzeit darstellte:

     
    Aureus
    Denar
    Sesterz
    Dupondius
    As
    Aureus (7,8 g AU)
    1
    25
    100
    200
    400
    Denar (3,5 - 4 g AR )
    1
    4
    8
    16
    Sesterz (25 - 29 g Aes )
    1
    2
    4
    Dupondius (12,5 - 14,5 g Aes)
    1
    2
    As (8,5 - 11 g CU)
    1

     

    Spätantike:

    Die durch die Verschlechterung des Geldes (besonders in seinem Edelmetallwert) eintretende Inflation macht es praktisch unmöglich, für das 3. Jh. ein einheitliches System darzulegen. Erst die Münzreform Konstantins des Grossen von 324 n.Chr., die eine reichseinheitliche Neuordnung der Goldprägung vorsah (Einführung des Solidus = 1/72 libra "Pfund" AU), konnte wieder für längere Zeit ein stabiles System schaffen:

     

     
    Solidus
    Semisses
    Tremisses
    Miliarensia
    Siliquae
    Solidus (4,55 g AU)
    1
    2
    3
    18
    36
    Semisses (ca. 2,28 g AU )
    1
    1.5
    9
    18
    Tremisses (ca. 1,18 g AU)
    1
    6
    12
    Miliarensia (4,55 g AR)
    1
    2
    Siliquae (ca. 2,28g AR)
    1

     

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