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    Modules > Heidnischer und christlicher Senatsadel in spätrömischer Zeit > Der christliche Senatsadel

    Claudius Petronius Probus

    Mit Petronius Probus kommen wir gleichzeitig auf eine der namhaftesten Familien im Umfeld des spätantiken Roms zu sprechen, die gens Anicii. Die Anicii der Spätantike weisen entfernte Verbindungen zu den Anicii der Republik und frühen Kaiserzeit auf, etablierten sich aber, gestützt auf ihren Reichtum und Grundbesitz, Ende des 3. Jahrhunderts in der römischen Senatsaristokratie weitgehend neu.

    Wenn die Anzahl bekleideter Ämter ein Indikator für Geltung und Ansehen war, konnte sich Petronius Probus (etwa 330-390) nur schon deswegen zu den einflussreichsten Senatoren des 4. Jahrhunderts zählen. Auf einer der Inschriften der drei Statuenpaare, welche zwei seiner Söhne ihm und seiner Frau Anicia Faltonia Proba widmeten, wurde sein cursus honorum festgehalten. Wie oft bei spätantiken Ehreninschriften fehlen die niedrigen Ämter wie das der Quästur und der Prätur, die Probus vermutlich beide in den 50er Jahren des 4. Jahrhunderts bekleidete. Aussergewöhnlich ist jedoch die viermalige Besetzung der Prätorianerpräfektur, deren Datierung ungefähr wie folgt zu rekonstruieren ist: Im Jahre 364 ist Probus erstmals als Prätorianerpräfekt von Illyrien bezeugt; zwei Jahre später trat er die Präfektur in Gallien an. Die dritte und wichtigste Prätorianerpräfektur erstreckte sich nicht nur über Illyrien, sondern zusätzlich noch über Italien und Afrika und dauerte vermutlich mehrere Jahre. Im Jahre 383 übte er dasselbe Amt für eine kurze Zeit nochmals aus. Das ordentliche Konsulat hatte er gemeinsam mit dem jungen Augustus Gratian inne.

    Der christliche Glaube war Probus zweifellos nützlich für seine Beziehungen zum christlichen Hof, im Umgang mit dem noch zu einem beträchtlichen Teil heidnisch geprägten Senatsadel Roms war jedoch Zurückhaltung geboten. Vom demonstrativen Akt der Taufe liess er bis kurz vor seinem Tod ab. Die Aufschiebung der Taufe bis zum Lebensende war, wie wir bereits bei Junius Bassus gesehen haben, keine Seltenheit und konnte auch in einer ehrlichen Überzeugung gründen, wonach die Übernahme von Ämtern damals mit der Taufe als nicht unbedingt vereinbar galt.

    Abgesehen von Gesetzestexten, welche hauptsächlich Anhaltspunkte bezüglich der politischen Karriere liefern, finden sich Angaben zur Person des bekannten Senators vor allem im Geschichtswerk Ammians sowie in der Preisrede Panegyricus dictus Olybrio et Probino consulibus des Dichters Claudian. Dabei fällt auf, dass Claudian direkt auf die zum Teil harsche Kritik Ammians einging und seinerseits versuchte, eine Rechtfertigung vorzunehmen. Diese beiden Texte geben uns aus zwei entgegengesetzten Perspektiven eine interessante Beurteilung des adeligen Lebens von Probus.




    Bibliographie pour la fiche
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