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    Modules > Einführung in die Alte Geschichte > Alte Geschichte in wissenschaftsgeschichtlicher Sicht

    Gegenwartsorientierung als wissenschaftsgeschichtliches Phänomen

    Bei aller quellenkritischen Arbeit und der wissenschaftlichen Orientierung der Alten Geschichte sind die Reiche der Alten Welt doch immer wieder Modelle gewesen, an denen Probleme mit Bedeutung für die Gegenwart durchgespielt werden konnten. Die zahlreichen Griechischen und Römischen Geschichten mit Grossbuchstaben spiegeln deshalb zugleich die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Geschichte der letzten Jahrhunderte.

    Ein bekanntes Beispiel ist George Grote (1794–1871). Er verfasste eine zehnbändige Griechische Geschichte (1846–56), die vom Fachpublikum noch heute gelesen wird, ebenso aber auch ausserhalb der Altertumswissenschaften Resonanz erhielt. Zweifellos war er ein herausragender Wissenschaftler. Doch in seine Arbeit fliessen gleichfalls seine Erfahrungen als Parlamentarier und Bankier ein. Überdies gehörte er zum Kreis der sogenannten Philosophical Radicals um Jeremy Bentham und John Stuart Mill, welche eine ethische Theorie des Utilitarismus vertraten, deren Kern in der Auffassung liegt, Menschen sollten so handeln, dass die Folgen ihrer Handlungen bzw. ihrer Handlungsregeln für alle Betroffenen optimal seien. In Abhebung von einem politisch konservativ orientierten Werk des englischen Tory William Mitford, das die angeblichen Schwächen der athenischen Demokratie brandmarkte, legte Grote ihre Vorzüge dar. Demokratie und Freiheit schienen ihm segensreiche Prinzipien zu sein, deren Geltung die Athener des 5. Jahrhunderts zu Höchstleistungen anspornte.



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