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    Modules > Einführung in die Alte Geschichte > Alte Geschichte in wissenschaftsgeschichtlicher Sicht

    Die Begründung der modernen Wissenschaftsdisziplin Alte Geschichte

    "Wissenschaftsgeschichte" gilt der Geschichte altertumswissenschaftlicher Disziplinen, einzelner Wissenschaftler oder wissenschaftlicher Unternehmungen und Werke. Sie bietet Orientierung in der Welt der Gelehrsamkeit. Sie strukturiert die kulturelle Tradierung von Wissen, wie sie aus einer jahrtausendealten Beschäftigung mit dem Altertum erwachsen ist.
    Alte Geschichte ist ein Fachgebiet mit einer jahrtausendealten Tradition. Als wissenschaftliche Disziplin, wie wir sie an den Universitäten kennen, ist sie im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert ausgeformt worden. Zu den als Gründern des Faches zählenden Wissenschaftlern gehören insbesondere Edward Gibbon (1737–1794) und Barthold Georg Niebuhr (1776–1831).

    Gibbons History of the Decline and Fall of the Roman Empire (6 Bde., 1776–1778), nach Theodor Mommsen "das bedeutendste Werk, das je über die römische Geschichte geschrieben worden ist", bietet ein gewaltiges Panorama einer römischen Geschichte, die sich bis zum Fall von Konstantinopel 1453 erstreckt.

    Wie Gibbon war auch der preussische Reformpolitiker Niebuhr Autodidakt. Obwohl er bis dahin hauptsächlich im dänischen und preussischen Staatsdienst von sich hatte reden machen, waren seine Vorlesungen an der neugegründeten Berliner Universität im Wintersemester 1810/11 ein ungewöhnlicher Erfolg. Nicht nur gehörten die führenden Männer zu seinen Hörern, unmittelbar darauf erschien die Vorlesung im Druck. Niebuhrs Interesse an den Fragen der römischen Geschichte entzündete sich immer wieder an der Gegenwart, die Vergangenheit beurteilte er, als ob sie Gegenwart wäre: "So lebendig möchte ich die Geschichte schreiben, den schwankenden Vorstellungen feste unterschieben, die verworrenen entwickeln, damit man bei dem Namen eines Griechen aus Thucydides und Polybius Zeitalter, eines Römers aus Cato's Zeit oder Tacitus die Grundidee ihres ganzen Seyns habe." (15.8.1812 an den Grafen Adam Moltke. Lebensnachrichten. II. Hamburg 1838, 91, zit. nach K. Christ: Römische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft, München 1982, 37).



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