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    Modules > Einführung in die Alte Geschichte > Die Quellen der Alten Geschichte und die Bedeutung von weiteren altertumswissenschaftlichen Disziplinen

    Philologie: Literarische Quellen

    Wenn wir hier von der Frage nach den Quellen der Alten Geschichte zur Philologie gelangen, so besteht die Gefahr, dass ein reduziertes Bild der Griechischen und Lateinischen Philologie entworfen wird, nämlich das Bild von Disziplinen, welche für den Umgang mit Sprache und mit literarischen Zeugnissen besondere Kompetenzen besitzen würden und von daher eine Grundlagenfunktion hätten, in Wahrheit aber nur eine Hilfsfunktion auszuüben vermögen. In der Tat hat sich die Klassische Philologie durch ihre Konzentration auf absolute, klassische Massstäbe zeitweise in eine Position hineinmanövriert, in welcher sie nur noch für einen Kreis von Kennern Bedeutung behielt. Ludwig Hatvany parodierte 1906/07 seine Erlebnisse im latinistischen Lehrbetrieb Berlins in einem Büchlein mit dem Titel Die Wissenschaft des nicht Wissenswerten. Der Verzicht auf die übergreifenden Zusammenhänge zugunsten der Details von Grammatik und Textkritik, Realien und Biographismen machte ihn wütend: "Zum Teufel ... mit ... all jenen Trödlern der Wissenschaft, Dichternervenspaltern, Dokumentenschnüfflern, Radizesrasplern!"
    Demgegenüber ist festzuhalten, dass Philologie eigentlich die Basis für die im Rahmen der altertumswissenschaftlichen Disziplinen gepflegten Tätigkeiten begründet hat. Schon im antiken Bildungs- und Wissenschaftssystem gab es kein Fach Geschichte, wohl aber Behandlung der Geschichte im Grammatik- oder Rhetorikunterricht und eine hoch entwickelte Geschichtsschreibung. – In der Neuzeit galt die sprachliche Kompetenz gleichfalls als das Primäre. Lehrstühle für Alte Geschichte sind erst nach der Aufklärung entstanden. Zuvor wurde die Geschichte des Altertums gewissermassen nebenher betrieben. Sie war ein Schwerpunkt, der sich aus Interessen ergab, denen in jedem Falle die Beschäftigung mit den sprachlichen Grundlagen vorausging.
    Zielkonflikte sind schon früh ausgetragen worden: Ging es um klassischen Ansprüchen genügende Beherrschung antiker Sprachen oder um die Erforschung der antiken Kulturen? Die frühneuzeitlichen Antiquare konzentrierten sich viel stärker auf die Kultur als auf Sprachbeherrschung. Immer mehr galt eine nur elementare Beherrschung von Latein und weiteren Sprachen des Altertums als ausreichend. In der Folge entwickelten sich verschiedene altertumswissenschaftliche Disziplinen, darunter auch die Alte Geschichte, in denen nicht dem Ideal einer – im Altertum auch nur kurz und bei wenigen vorhandenen – Meisterschaft in der Sprachbeherrschung gehuldigt wurde, dafür aber Interessen und Bedürfnisse der Gegenwart aufgenommen wurden.
    Von Seiten der Philologie sind immer wieder Versuche unternommen worden, das Spannungsverhältnis zwischen Meisterschaft im Sprachlichen und breite Interessen berücksichtigender Auseinandersetzung mit dem Altertum aufzuheben. August Boeckh (1785–1867) entwarf das Programm einer umfassenden Altertumswissenschaft. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848–1931) setzte auf die Meisterschaft der Philologie. Werner Jaeger (1888–1961) zeigte die Werte des antiken Erbes, eingeschlossen des Christentums. Neuerdings werden die Ansätze der kultur- und literaturwissenschaftlichen Theoriebildung aufgegriffen, um die Klassische Philologie dem interdisziplinären Diskurs zugänglich zu machen.
    Zweifellos bieten sich also genügend Möglichkeiten, philologische Kompetenz und historische Rekonstruktion fruchtbar miteinander zu verbinden. In jedem Falle wird man dabei als grundlegende Elemente benützen: die Ausgaben antiker Texte, die Kommentare zu solchen Texten, Literaturgeschichten, Wörterbücher oder die Ergebnisse der Erforschung der Sprache(n).

    Die Ausgaben antiker Autoren haben eine lange Geschichte. Die textkritische und editorische Arbeit ist deshalb unschätzbar. Bei jedem für eine historische Arbeit benützten Autor ist abzuklären, welche Ausgabe am besten benützt wird. Der Indexband des Thesaurus linguae latinae oder die Einträge im Neuen Pauly geben dazu nützliche Angaben. Wichtige Reihen sind:
    Bibliotheca Scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana (ohne Einleitungen und textkritischen Apparat auch als CD-ROM erhältlich; enthält die antiken Texte ohne Übersetzung) und The Oxford Classical Texts (enthält die griechischen bzw. lateinischen Texte);
    Collection des Universités de France (mit französischer Übersetzung, je nachdem mit ausführlichen Einleitungen, Anmerkungen und Kommentar) und Sources Chrétiennes (die Bände werden eingeleitet, enthalten den lateinischen bzw. griechischen Text, eine französische Übersetzung sowie Anmerkungen bzw. Kommentar);
    The Loeb Classical Library (Einleitungen, Text und englische Übersetzung);
    Reihen mit deutscher Übersetzung sind Reclam, Tusculum und Fontes Christiani.

    Kommentare zu antiken Texten: Auch hier ist z.B. mit Hilfe der Artikel im Neuen Pauly abzuklären, welche Kommentare für einen bestimmten Autor zur Verfügung stehen. Literaturgeschichte: Ohne Kenntnis der Gattungsgeschichte sind antike Texte nicht richtig einzuordnen und zu verstehen.
    Sprachliche Hilfsmittel: Unerlässlich sind immer wieder Wörterbücher wie diejenigen von Liddle/Scott/Jones und Georges.



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