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    Modules > Einführung in die Alte Geschichte > Die Quellen der Alten Geschichte und die Bedeutung von weiteren altertumswissenschaftlichen Disziplinen

    Tacitus - sine ira et studio

    Publius (oder Gaius) Cornelius Tacitus (56 oder 57 – 117 n.Chr.) begann eine reguläre Ämterlaufbahn unter Kaiser Vespasian (69–79 n. Chr.), heiratete 77 die Tochter Agricolas, war 88 Prätor, 97 consul suffectus und 112–113 Statthalter von Asien. Seine Erfahrungen unter dem als Tyrannen empfundenen Kaiser Domitian, dem Tacitus freilich seine Karriere verdankte, kommen in seinen Werken wiederholt zur Darstellung.

    Zu den wichtigsten Werken des Tacitus zählen die nur bruchstückhaft auf uns gekommenen Historien und Annalen. Die im ersten Jahrzehnt des 2. Jahrhunderts verfassten Historien behandeln die Zeit von 69 (Vierkaiserjahr) bis 86 (Tod Domitians). Das Vorhaben, eine zeitgenössische Geschichte der Herrschaft von Nerva und Trajan zu schreiben (Hist. 1, 1, 4), hat Tacitus nicht verwirklicht. Stattdessen hat er die Annalen, die die Zeit von 14 (Ende der Herrschaft des Augustus) bis 68 (Tod Neros) zum Gegenstand haben, verfasst. Mit der Germania hat Tacitus den ersten ethnographischen Bericht über Germanien geschrieben. Seine Formulierung (ann. 1, 1, 3), er wolle sine ira et studio die Geschichte des Prinzipats seit Augustus schreiben, ist zu einem geflügelten Wort geworden: "keinem zu Lieb' und keinem zu Leide", wie es bei Georg Büchmann übersetzt ist. Doch Tacitus ist bekannt als Historiker, der seine Texte eigenwillig gestaltet und schon durch seine Sprachkunst dichte atmosphärische Bilder schafft. Wie zuverlässig ist seine Berichterstattung? Diese Frage ist mit Spannung gestellt worden, als unlängst im Süden Spaniens, in der ehemaligen Provinz Baetica, Brodnzetafeln gefunden wurden, auf denen in mehreren Kopien ein Senatsbeschluss festgehalten war, der am Schluss des Prozesses gegen Piso entstanden war. Piso wurde vorgeworfen, schuld am Gifttod des beliebten Germanicus zu sein. Ein Vergleich der in den Annalen dem Prozess gewidmeten 9 Kapitel mit dem Bericht des Senatus consultum zeigt, wie sorgfältig Tacitus Quellen ausgewertet hat.


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