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    Modules > Einführung in die Alte Geschichte > Die Quellen der Alten Geschichte und die Bedeutung von weiteren altertumswissenschaftlichen Disziplinen

    Antike Geschichtsschreibung als Quellenbasis

    Texte entstehen aus Texten. Dieser Satz gilt auch für die Historiographie. Ohne die antike Geschichtsschreibung wäre es undenkbar, das geschichtliche Geschehen im Altertum rekonstruieren zu können. Ohne die Werke der grossen Historiker hätte die Geschichte des Altertums auch nicht jene bedeutende Gestalt, die in der Neuzeit Machiavelli, Bodin, Hobbes, Montesquieu oder die Founding Fathers der amerikanischen Verfassung ebenso angezogen haben wie Menschen unserer Zeit.

    Geschichtsschreibung ist eine antike Erfindung. Klassiker der Geschichtsschreibung führen in die Alte Welt und bieten Orientierungswissen in der Gegenwart. Als der dänische Architekt Theophil Hansen (1813–1891), der manche Jahre in Athen verbracht hatte, in Wien das Parlamentsgebäude konzipierte, bezog er bewusst die Erinnerung an das klassische Altertum mit ein. Für die Rampenauffahrt sah er Statuen der Geschichtsschreiber des Altertums vor, darunter Herodot, Thukydides und Xenophon.

    Griechen und Römer: Erfinder und Objekt der Universalgeschichtsschreibung

    Wenn Griechische und Römische Geschichte heute ein Zentrum der Alten Geschichte bilden, so ist im Rückblick auf die Geschichte der Geschichtsschreibung festzuhalten, dass Griechische und Römische Geschichte früher sogar als Inbegriff der Universalgeschichtsschreibung gegolten haben. Als der im 2. Jh. v. Chr. lebende Polybios sein Geschichtswerk verfasste, schien es ihm, die Ereignisse zwischen Osten und Westen hätten sich miteinander verflochten, das gesamte politische Geschehen richte sich auf ein Ziel hin aus: Die dadurch notwendige Gesamtgeschichte habe zu zeigen, wie es zur Herrschaft Roms in der Mittelmeerwelt gekommen sei. Aber auch spätere Universalgeschichten stellen die Geschichte Roms nach derjenigen der Griechen in den Mittelpunkt. Dies gilt für die Weltgeschichte des Orosius im 4. Jh. n.Chr. wie für mittelalterliche und neuzeitliche Werke.

    Griechen und Römer – der von den antiken Historikern bereitete Weg in die Alte Welt

    Gewiss ist eine Wertschätzung von griechischer und römischer Geschichte mit der Gefahr verbunden, die Geschichte anderer Völker und Regionen auszublenden, aber zwingend ist eine solche Verkürzung des geschichtlichen Zugriffes nicht. Allfällige Bedenken, die Beschäftigung mit Griechen und Römern sei zu eng und ziehe zu viel Energie auf sich, sollten jedenfalls nicht dazu führen, die Tatsache zu verdrängen, dass Griechen und Römer in der Geschichte des Mittelmeerraumes eine wichtige Stellung einnahmen und sie nur schon deshalb für uns der nächste Zugang in die Welt des Altertums bilden. Gewiss gelangen wir indes über die lateinischen und griechischen Texte weit über Athen und Rom hinaus.
    Griechen und Römer sind für uns erstrangige Vermittler der alten Kultur. Nicht zuletzt entwickelten sie eine Geschichtsschreibung, welche es bis heute überhaupt erst möglich macht, vergangenes Geschehen so genau zu rekonstruieren, dass die lebendige Aktualität der Griechischen und Römischen Geschichten mit Grossbuchstaben bis heute ungebrochen geblieben ist.
    Zu den Klassikern der Historiographie zählen Herodot, Thukydides und Xenophon in der klassischen griechischen Zeit, Polybios im 2. Jh. v. Chr., Sallust zur Zeit der ausgehenden Römischen Republik, der im augusteischen Zeitalter schreibende Livius, Flavius Josephus, Tacitus und Cassius Dio in der römischen Kaiserzeit und Eusebios von Caesarea, Ammianus Marcellinus, Orosius, Zosimos oder Prokop in der Spätantike.

    Die grossen Zusammenhänge

    Schon bei Herodot, dem Vater der Geschichtsschreibung, haben wir es nicht allein mit der Geschichte der Griechen zu tun. Bereits das erste von neun Büchern seines Werkes wendet sich ausführlich den Persern zu, aber auch von den Babyloniern erfahren wir viel, und von zahlreichen weiteren Völkern ebenfalls. Im zweiten und dritten Buch finden wir ägyptische Geschichte, im vierten die Skythen und Völker, die noch weiter nördlich gewohnt haben. Kurz – es ist Menschheitsgeschichte, die Herodot interessiert. Der Sinn und der Blick für die grossen Zusammenhänge der Mittelmeergeschichte wurde durch die Universalgeschichtsschreibung und insbesondere durch Polybios vertieft. Die antike Historiographie bildet von daher einen klassischen Zugang zur gesamten Alten Welt.




    Bibliographie pour la fiche
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