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    Modules > Spätantike > Strukturen der Spätantike

    Gesellschaft und Wirtschaft

    Die Oberschichten und ihre Werte

    Nach der zur Severerzeit einsetzenden Zurückdrängung des Senatorenstandes zugunsten der sich zu einem kaiserlichen Dienstadel wandelnden Ritter gewannen die Senatoren seit Konstantin wieder an Bedeutung. Für die neue Haupstadt Konstantinopel hat Konstantin einen neuen Senat eingerichtet, der sich vornehmlich aus Dekurionen rekrutierte. Die durch die neu geschaffene Mobilität sich allmählich ergebende Differenzierung des Senatorenstandes zeigt sich in der von Valentinian I. vorgenommenen Einteilung, nach der alle Senatoren den Titel clarissimus zu führen das Recht hatten und einige von ihnen die an bestimmte Funktionen gebundenen Titel spectabilis und illustris. Der Ritterstand hat in der Spätantike seine Bedeutung verloren. (Fussnote 1) Der Bericht des Bischofs Augustin über seinen Freund und Gönner Romanianus zeichnet ein repräsentatives Bild spätrömischer aristokratischer Lebensweise und Wervorstellungen. Insbsesondere was den Euergetismus, die Wohltätigkeit betrifft, stellt er ein ausgesprochen beredtes Zeugnis dar.

    Kolonat und Patrozinium

    Wer über die spätrömische Landwirtschaft schreibt oder liest, wird mit Sicherheit auch von den Kolonen handeln, Bauern, welche fest an den Boden gebunden waren und teilweise als Hörige bezeichnet werden können. Der Kolone war an das Land gebunden, das er bearbeitete. Die Landbesitzer konnten ihr Land nur im Verein mit den dieses bearbeitenden Kolonen verkaufen. Im Laufe des 4. Jahrhunderts begaben sich viele freie Bauern in die Abhängigkeit von einflussreichen Grossgrundbesitzern, um sich dem steuerlichen Zugriff des Staates zu entziehen. Sie traten unter den Schutz eines mächtigen Patrons. Als Gegenleistung für dieses patrocinium "beschenkten" sie den Schutzherren regelmässig oder entrichteten ihm jährliche Abgaben. Kolonat und Patrozinium sind charakteristische Merkmale des spätrömischen sozialen Lebens. (Fussnote 2)

    Capitatio und iugatio: Basis des spätrömischen Steuersystems

    Zum spätantiken Steuersystem gehören capitatio und iugatio (die Begriffe leiten sich von caput und iugum her). Gemeint ist damit eine Steuer nach Kopf und Landeinheit (Joch). Der Steuersatz bemass sich nach der Grösse und Qualität des Landes. Ebenso wurde die Anzahl der auf dem Land eingesetzten coloni und servi sowie der erwirtschaftete Ertrag berücksichtigt. Neben dieser Steuer wurde die Bevölkerung durch eine Fülle weiterer Steuern (z.B. die Gewerbesteuer: collatio lustralis bzw. chrysargyron) und sogenannte munera sordida (Hand- und Spanndienste) belastet. Ziel der von Diokletian eingeleiteten Steuerreform war die Stabilisierung der staatlichen Wirtschaft, beruhend auf einer gleichmässigen Verteilung der Steuerlasten auf alle Reichsbewohner.

    Soziale Konflikte erklären: Die rätselhaften Bagauden

    Die im 3. Jahrhundert einsetzenden Vorstösse germanischer, namentlich fränkischer Stämme über den Rhein hatten insbesondere im Norden und Osten Galliens schwere Folgen für die einheimische Bevölkerung, die unter den Verwüstungen und den daraus folgenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu leiden hatte. Aus diesem Kontext der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation, deren Gründe im ausbeuterischen Verhalten der Grossgrundbesitzer und wohl auch im Versagen der ungenügenden Schutz gegen aussen bietenden römischen Regierung gesehen wurden, traten im 3. und 5. Jahrhundert in Gallien und Spanien die sog. Bagauden hervor, kleine Bauern, die ihre Höfe verliessen, sich zusammenschlossen und plündernd durchs Land streiften. Der kirchliche Autor Salvian von Marseille (400 – ca. 480) sieht im Bagaudenwesen einen sozialrevolutionären Aufstand. Denkbar ist aber ebenso eine in erster Linie gegen die römische Zentralgewalt gerichtete Auflehnung. Für letzteren Erklärungsversuch spricht die Tatsache, dass im 4. Jahrhundert, als Trier Kaiserresidenz und Sitz des Prätorianerpräfekten war, keine Aufstände zu verzeichnen sind.

    Kultur

    Die spätrömische Zeit zeichnet sich literaturgeschichtlich durch zahlreiche Neuerungen aus. Mehrere Textgattungen haben in der spätrömischen Zeit neue Impulse bekommen oder sind in dieser Zeit entstanden: theologische Streitschriften, Briefliteratur, Bibelepik, Breviarien und Chroniken.


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