UniFR Logo
    Modules > Spätantike > Strukturen der Spätantike

    Gesellschaft und Christentum: Mönchtum und christliche caritas

    Die Ausbildung von Modellen christlicher Askese und der Jungfräulichkeit führten zu den verschiedenen Formen des Mönchtums, die aus der Kirche nicht mehr wegzudenken sind. Unter den diversen Regeln für das Leben der Mönche ragen diejenigen Augustins, Basileios', Cassians und Benedikts heraus. Von der Regel Benedikts wird oft vermutet, die Formel ora et labora beziehe sich auf die Vorschrift, Bücher abzuschreiben. Eine solche Empfehlung gibt indes Cassiodor in seinen Institutiones. Er sieht die sorgfältige Tätigkeit der Abschreiber als körperliche Arbeit, corporeus labor, an.

    Die christlichen Werte haben die Gesellschaft verändert. An die Stelle traditioneller Euergeten trat die christliche caritas. Unter dem Phänomen des Euergetismus, wie es Paul Veyne in seinem Buch Le Pain et le cirque (1976) nennt, versteht man in erster Linie panem et circenses, Schenkung von Lebensmitteln und Spielen. Aber auch die Errichtung von opera publica gehört dazu. Beides trug den Spendern Ansehen ein. In der Spätantike zeigen sich zahlreiche Änderungen des Sozialverhaltens. Die Spiele haben an Bedeutung verloren, auch wenn sie nur langsam verschwunden sind. Wenn Christen Lebensmittel für Minderbemittelte oder Fremde bezahlten oder Kirchenbauten finanzierten, so geschah es nicht mehr für die Ehre. Die eindringlichen Aufforderungen eines Basileios oder eines Johannes Chrysostomos, Reichtum abzugeben, wurden je nachdem sozial, anthropologisch oder asketisch begründet. Es ging darum, für andere zu sorgen, das menschliche Grundübel der Habsucht zu vermeiden, die Anhänglichkeit an vergängliche Güter zurückzustellen, sich einen Schatz im Himmel zu erwerben oder einen Sieg über sich selbst zu erringen.

    Die caritativen Verpflichtungen wurden auch institutionalisiert. Die Gemeinden beauftragten die Amtsträger mit der Organisaion. Beispielhaft für bischöfliches Engagement war die Armensiedlung des Basileios. Pilgerherbergen und Hospitäler wurden von Gemeinden errichtet und unterhalten, gerne auch von Privatleuten gestiftet. Hieronymus schreibt in einem Brief an Pammachius 397 (epist. 66, 11): Audio te xenodochium in portu fecisse Romano ... In der französichen Übersetzung der Ausgabe der Collection des Universités de France (Budé) steht: J'apprend que tu as établi un centre d'accueil pour les étrangers à Port-de-Rome .... Pammachius finanzierte ein Haus für Fremde, vielleicht eine Pilgerherberge, im Portus Romanus: ein Beispiel eines Werkes der caritas. Reiche Christen stellten ihre Mittel in spätrömischer Zeit häufig für caritiative Zwecke zur Verfügung. Sie setzten damit in gewisser Weise den antiken Euergetismus in einer ganz neuen Form fort.


    Images

Antiquit@s est un projet du Campus Virtuel Suisse - Contact : sandrine.codourey(at)unifr.ch & Centre NTE - Université de Fribourg - Suisse