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    Modules > Spätantike > Strukturen der Spätantike

    Gesellschaft und Christentum: Ausbildung der christlichen Lehre und Werte und die Entwicklung der Kirchenorganisation

    Das Christentum ist nicht zuletzt eine Buchreligion. Schon in den ersten drei Jahrhunderten entstand eine umfangreiche christliche Literatur. Sie setzt mit den Schriften des Neuen Testaments ein. Im 2. Jahrhundert verteidigten die sog. frühchristlichen Apologeten den neuen Glauben. Ein ausserordentlich produktiver Autor wie extensiver Sammler von Büchern war der zunächst in Alexandrien, später in Jerusalem lebende und wirkende christliche Philosoph Origenes (ca. 185–254). Bei der Ausarbeitung der christlichen Lehre wurde in den kommenden Jahrhunderten noch sehr viel mehr geschrieben. Dabei musste bei vielen Fragen intensiv gerungen werden. Das Bekenntnis beispielsweise zum dreieinigen und menschgewordenen Gott, das bis heute den christlichen Glauben trägt und prägt, war ein zentrales Thema in diesen Auseinandersetzungen. Was heute als Dogma erscheint, war damals umstritten. Auch die Entwicklung spezifisch christlicher Werte erfolgte nach und nach und hatte sich unter konkurrierenden gesellschaftlichen Vorstellungen zu behaupten.

    Festlegung der Glaubensinhalte und Schaffung einer festen Organisation waren die wohl wichtigsten Aufgaben, die das frühe Christentum zu lösen hatte. Was die christliche Lehre angeht, so kam es freilich zu heftigen Lehrstreitigkeiten. Augustin schreibt in seiner Erklärung zu Psalm 55, 23 "doch in seinem Herzen sinnt er auf Streit", im Grunde genommen seien die Wahrheiten in der Bibel enthalten, freilich oft verborgen. Die zahlreichen theologischen Streitigkeiten hätten letztlich der Wahrheitsfindung gedient. Numquid enim perfecte de Trinitate tractatum est, antequam oblatrarent (oblatrare = eigentlich anbellen, losfahren gegen) Ariani? Numquid perfecte de paenitentia (paenitentia = Reue, Busse) tractatum est, antequam obsisterent Novatiani? Sic non perfecte de baptismate (baptisma, -atis n. = Taufe) tractatum est, antequam contradicerent foris positi Rebaptizatores. (in psalm. 54, enarrat. 22, 6-8) (Fussnote 1)

    In der Spätantike entwickelte sich die kirchliche Organisation ganz gewaltig. Ihre Kernzelle war die Ortskirche. Im Mittelpunkt der Gemeinde steht der Bischof. Bereits im 1. Jahrhundert heisst es in der Didache, der ältesten erhaltenen Kirchenordnung, Kap. 15: "Wählt Euch Bischöfe und Diakone, würdig des Herrn, voller Milde und frei von Geldgier, voll Wahrheitsliebe, erprobte; denn sie sind es, die für euch versehen den Dienst der Propheten und Lehrer." Augustin hält in De civitate Dei fest (19, 19), was Paulus über das Bischofsamt sagte: Qui episcopatum desiderat, bonum opus desiderat (I Tim. 3, 1). Daraufhin erklärt er die Bedeutung des griechischen Wortes: Es geht um Aufsicht eines Vorgesetzten durch Fürsorge. Zugang zum Bischofsamt haben alle, aber man soll es nicht erstreben.



    Notes

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