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    Modules > Spätantike > Chronologisches Gerüst

    Von den Christenverfolgungen über die konstantinische Wende zur Reichskirche

    Das aus dem Judentum herausgewachsene Christentum breitete sich in den ersten Jahrhunderten trotz der Verfolgungen verhältnismässig schnell aus. Die grundlegende Veränderung der rechtlichen Stellung im Imperium Romanum wird gerne als "konstantinische Wende" bezeichnet. Sie trägt durchaus Züge einer Revolution. Der Euseb von Caesarea hat in seiner Kirchengeschichte wichtige Dokumente eingefügt, die zeigen, wie das Christentum nach den letzten grossen Verfolgungen unter Diokletian 303 Anerkennung fand. Auch Lactantius in seiner gut informierten, aber oft tendenziösen Darstellung De mortibus persecutorum gibt solche Dokumente wieder. Im Kampf um die Macht unter den Tetrarchen und Usurpatoren spielte die Christenfrage eine Rolle. Der Augustus Galerius liess im April 311 die Verfolgungen der Christen einstellen (Lact. mort. pers. 34; Eus. HE 8, 17, 1-11). Auch Maxentius machte den Christen Zugeständnisse. Der Sieg Konstantins über Maxentius an der Milvischen Brücke 312 hat aber einer christenfreundlichen Politik zum Durchbruch verholfen. Als Konstantin 313 mit Licinius in Mailand zusammenkam, wurden die Prinzipien einer toleranten Christenpolitik festgelegt. Die Entwicklung des Christentums zu einer Reichskirche setzt mit Konstantin ein. Die Verbote heidnischer Kulte und Praktiken gipfeln in den unter Theodosius erlassenen Bestimmungen des Jahres 391. Altgläubige Traditionen spielen freilich auch noch in den darauf folgenden Jahrhunderten eine Rolle.

    Kaiser Julian: eine kurze altgläubige Restauration

    Trotz seiner kurzen Regierungszeit ist der hier behandelte Kaiser Julian (361–363) einer der bekanntesten spätrömischen Herrscher. Der christliche Universalhistoriker Orosius schrieb über Julian: Christianum religionem arte potius quam potestate insectatur (insectari = verfolgen), ut negaretur fides Christi et idolorum cultus susciperetur, honoribus magis provocare quam tormentis cogere studuit. Aperto tamen praecepit edicto ne quis Christianus docendorum liberalium studiorum professor esset; sed tamen, sicut a maioribus nostris compertum habemus, omnes ubique propemodum praecepti condiciones amplexati officium quam fidem deserere maluerunt. (7, 30, 2-3)
    Orosius schrieb im Auftrag Augustins. Er berichtet hier von Julians Edikt, dass Christen nicht als Professoren lehren sollten. Julian war zwar christlich erzogen worden, interessierte sich aber sehr für die traditionelle Bildung und ist als Autor und Vertreter des Neuplatonismus recht bekannt geworden. Als Kaiser förderte er die heidnischen Kulte. Die von Konstantin eingeleitete Verbindung zwischen römischem Staat und christlicher Kirche vermochte Julian jedoch nicht aufzuhalten. Für die Christen war Julian der Abtrünnige (Apostata).


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