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    >Module > Spätantike > Chronologisches Gerüst > Die Krise des 3. Jahrhunderts

    Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 33, 1-3

    Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 33, 1-5

    Der Historiker Aurelius Victor (4. Jh.) zeichnet von der Zeit des Gallienus (260-268) ein Bild der innen- und aussenpolitischen Situation des Reiches, das exemplarisch für die "Krise des 3. Jahrhunderts" ist:

    "Um dieselbe Zeit zog Licinius Gallienus, nachdem er die Germanen tatkräftig von Gallien ferngehalten hatte, eilends nach Illyrien hinab. Dort brachte er Ingebus, dem Befehlshaber Pannoniens, den, als er von der Niederlage Valerians [253-260, Vater von Gallienus] vernommen, der Ehrgeiz zu herrschen gepackt hatte, bei Mursia eine schwere Schlappe bei, und bald darauf auch dem Regalianus, der nach Übernahme der von der Katastrophe bei Mursia verschonten Soldaten den Krieg erneuert hatte. Als dies erfolgreich und über alle Erwartung gut verlaufen war, gab er, nach Menschenart vom Glück enthemmt, mitsamt seinem Sohne Salonius, dem er die Würde eines Caesar übertragen hatte, die römische Sache derart sozusagen einem Schiffbruch preis, dass die Goten, Thrakien ungehindert durchquerend, Makedonien, Achaia und die Kleinasien benachbarten Gebiete, die Parther hingegen Mesopotamien heimsuchten, dass im Osten Räuber oder eine Frau die Herrschaft ausübten, dass die Streitmacht der Alamannen damals in gleicher Weise Italien und die Stämme der Franken, nachdem sie Gallien verheert hatten, Spanien in Besitz nahmen, Tarraco verwüsteten und nahezu ausplünderten, ja dass ein Teil von ihnen, der sich beizeiten der Schiffe bemächtigt hatte, bis nach Afrika vordrang – und ausserdem ging jenseits der Donau verloren, was Trajan hinzuerworben hatte.
    So wurde, als ob von überallher Stürme wüteten, im ganzen Erdkreis Kleines mit dem Grössten, das Unterste mit dem Obersten zusammengeworfen. Und zugleich drang nach Rom eine Pestseuche vor, wie sie sich oft bei allzu drückenden Sorgen und seelischer Niedergeschlagenheit einstellt."

    Aur. Vict. 33, 1-5, zitiert nach der Übersetzung von Kirsten Gross-Albenhausen und Manfred Fuhrmann, Düsseldorf u. Zürich 1997 (Tusculum).
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