UniFR Logo
    Module > Lateinische Epigraphik > Fortgeschrittene

    Anfänge der Kaiserzeit und 1. Jahrhundert n. Chr.

    In Avenches scheint eine einheimische Familie im Anfang der Kaiserzeit besonders wichtig gewesen zu sein: Die Camilli. Ihr erster bezeugter Vertreter ist bekannt dafür, Decimus Brutus, einen der Verschwörer, die Julius Caesar an den Iden des März (15. März) 44 v. Chr. ermordeten, hinrichten lassen zu haben. Brutus versuchte, der Rache eines Leutnants Caesars auszuweichen, indem er die Paßstraße von Jougne unter Kontrolle von Camillus nahm. Ein Nachkomme der Camilli wurde gemeinsam von den Häduanern und den Helvetiern durch öffentliche Bestattung geehrt. Ein anderer war Tribun einer Legion unter Claudius, was eine unglaubliche Ehre für ein Individuum, dessen Familie die römische Bürgerschaft nur seit zwei oder drei Generationen erhalten hatte, darstellte. Das sind Zeichen, die nicht täuschen: Die Camilli mußten Avenches und das Gebiet der Helvetier leiten.  

    Im Jahre 69 brach im Reich ein schrecklicher Zivilkrieg aus: Nero wurde von Galba gestürzt, dann Galba von Otho. Die germanischen Legionen erhoben sich und schlugen einen anderen Kandidaten, Vitellius, für das Kaisertum vor. Von Mainz ließ letzterer seinen Leutnant Cecina, der den kürzesten Weg über den Großen-Sankt-Bernhard nahm, nach Rom vor sich hergehen. Die Helvetier hatten Partei für den Kaiser Galba, der damals schon tot war, ergriffen, aber diese Nachricht hatte Avenches noch nicht erreicht. Galba wurde von den Helvetiern unterstützt, weil er Kommandant des obergermanischen Heeres gewesen war und es so geschafft hatte, Bindungen mit einigen Städten - unter anderem mit Avenches - herzustellen und sich da Anhänger zu machen. Demzufolge hoben die Helvetier ein Heer aus; es wurde besiegt. Die Legionen marschierten auf Avenches zu. Die ratlosen Einwohner lieferten ihren Hauptbürger, Iulius Alpinus, der hingerichtet wurde, aus. Dennoch war die Wut der Soldaten nicht gestillt: Sie wollten die Stadt plündern. Einer der hochrangigsten Einwohner von Avenches hielt also den Soldaten eine Rede, in der er die Verwirrung geschickt nachahmte. Er löschte die Wut der Soldaten, die ihren General darum baten, die Stadt zu verschonen. Avenches war gerettet.

Antiquit@s ist ein Projekt des Swiss Virtual Campus - Kontakt : sandrine.codourey(at)unifr.ch & Centre NTE - Université de Fribourg - Suisse